Through Our Lens: Teenager aus Bradford teilen ihre Fotos

Veröffentlicht am 19. August 2020 von MPB

Diese Woche sprechen wir mit Carolyn Mendelsohn, die einen virtuellen Workshop für junge Leute durchgeführt hat, um ihre Erfahrungen während der COVID-19-Ausgangssperre in Bradford/Vereinigtes Königreich kreativ zum Ausdruck zu bringen. Lies weiter, um mehr zu erfahren, und schau dir ihre Arbeiten an.

Through Our Lens

MPB: Was ist das für ein Projekt, und wie kam es zustande?

CM: Through Our Lens (Durchs Objektiv geschaut): Self Isolation Project 13-18 entstand, weil alle meine eigenen Arbeiten als Künstlerin/Fotografin aufgrund des Lockdowns abgebrochen wurden – einschließlich einer großen Ausstellung, der Veröffentlichung eines Buchs und aller meiner kommerziellen und persönlichen Auftragsarbeiten. Es war ein riesiger Schock und ein Tiefschlag. Ich lebe im Bradford District, und die Stadt Bradford begann, Künstlern Zuschüsse anzubieten. Ich dokumentierte meine eigenen Erfahrungen durch Fotos und Texte, aber die Stimmen junger Menschen – insbesondere der Teenager – waren nicht zu hören. Ich habe selbst drei Kinder im Teenageralter und weiß, wie schwierig diese Zeit für sie war. Ihr Leben ist komplett auf den Kopf gestellt worden, alle größeren Prüfungen, Abschlussbälle und andere Übergangsriten abgesagt – ihre Alltagsstruktur hat sich komplett verändert, und viele sind sehr isoliert. Ich hatte das Gefühl, dass ihre Story wichtig ist und besser verdeutlicht werden sollte. Ich startete also einen Aufruf an junge Menschen im Alter von 12 bis 18 Jahren, die mit mir zusammenarbeiten wollten, um ihre Erlebnisse zu fotografieren und ihr Leben zu dokumentieren. Glücklicherweise hielt der Bradford Council dies für eine interessante Idee und gab mir einen Startzuschuss.

Through Our Lens
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MPB: Wie kamst du in Kontakt mit den jungen Fotografen, die an dem Projekt beteiligt waren?

CM: Ich habe einen Flyer erstellt, in dem Teenager aus Bradford zur Zusammenarbeit eingeladen wurden, und ihn in den sozialen Medien veröffentlicht. Ich habe Informationen an die jungen Leute gesendet, die mich kontaktiert haben, sowie an Gemeindeinitiativen und Schulen. Nach einer Woche hatte ich eine Gruppe von 20 Teenagern zusammen und richtete einen wöchentlichen Workshop per Videoanruf ein. Ziel war es, ihnen zu ermöglichen, ihr Leben zu dokumentieren, indem sie ihre Fähigkeiten ausbauen und mehr über die Verwendung ihrer Smartphones und Kameras lernen. Sie sollten aber auch ermutigt werden, ihre Kreativität einzusetzen, um ihre persönliche Situation durch Fotografie zum Ausdruck zu bringen. Zudem habe ich sie mit der Arbeit anderer Künstler vertraut gemacht und so ihre eigenen Erfahrungen ausgebaut. Ich möchte, dass sie sich als Teil einer Gruppe fühlen und spüren, dass ich mit ihnen zusammenarbeite, um ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeiten zu stärken. Es ist mir wichtig, dass die Arbeit wirklich ihre eigene ist und sie repräsentiert. Ich ermutige sie, ihrer Individualität und Kreativität freien Lauf zu lassen.

Through Our Lens
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MPB: Welche Art von Fotoausrüstung haben die Teenager, die am Projekt beteiligt sind?

CM: Die meisten jungen Leute nutzen ihre Smartphones. Viele haben noch nie ernsthaft fotografiert. Es gibt sechs Teilnehmer der Gruppe, die Zugang zuDSLRhaben – die meisten haben ein Set-Objektiv, einer hat ein 50-mm-Objektiv mit Festbrennweite.

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MPB: Welche Rolle kann Fotografie deiner Meinung nach im Leben junger Leute spielen?

CM: Ich glaube, dass Fotografie eine fantastische Gelegenheit bietet, insbesondere in der aktuellen schwierigen Situation, mit der junge Menschen die Welt erkunden, in der sie leben, und ihre Erfahrungen durch Bilder zeigen können. Neben den grundlegenden Fertigkeiten der Fotografie erhalten sie damit ein Werkzeug, das sie auf therapeutische und achtsame Weise einsetzen können. Sich kreativ zu ihrer Situation zu äußern und dies dann der Welt zu zeigen, ist unglaublich ermutigend. Das Potenzial ist endlos, und das Wunderbare an der Fotografie ist, dass man immer dazulernen kann. Ich ermutige sie, kreativ zu sein, Fehler zu machen, niemals zu versuchen, es nur mir recht zu machen, sondern voneinander zu lernen und sich immer weiterzuentwickeln. All diese Fähigkeiten sind gut übertragbar. In vielerlei Hinsicht ist es erstaunlich, wie das alles eingetreten ist und sich so entwickelt hat. Ich hatte nie erwartet, dass die Ergebnisse so aussehen würden. Es hat die Wahrnehmung der Teilnehmer in Bezug auf den Lockdown verändert – und auch meine eigene enorm verbessert.

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MPB: Welche Art von Fotos nimmst du normalerweise auf?

CM: Unter normalen Umständen bin ich Porträtfotografin. Ich führe auch Mode- und Redaktionsarbeiten sowie kommerzielle Auftragsarbeiten aus. Meine Liebe gehört den Porträts, Storys und persönlichen Projekten. Ich liebe es, Zeit für meine persönlichen Arbeiten zu haben. Mein Langzeitprojekt Being Inbetween befasst sich mit dem komplexen Übergang zwischen Kindheit und jungem Erwachsenenalter. Es besteht aus formalen Porträts und aufgezeichneten Interviews mit den jungen Teilnehmern, die in eine Soundumgebung eingebettet wurden. Dieses Jahr wurde ich eingeladen, die Arbeiten bei der Bologna Art Week 2020 und der Impressions Gallery in Bradford zu zeigen und sie als Buch zu drucken. Das alles wurde aufgrund der Coronakrise abgesagt. Trotz dieser Rückschläge muss ich sagen, dass in der Situation etwas Unerwartetes und Fantastisches mit Through Our Lens entstanden ist.

Through Our Lens
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MPB: Hat dieses Projekt deine Denkweise über Fotografie verändert? Wirst du ab jetzt etwas in deine Arbeit übertragen?

CM: Ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Denkweise über Fotografie geändert hat. Aber es hat mir gezeigt, dass es möglich ist, mit Menschen über eine virtuelle Plattform auf eine Weise zu arbeiten, die es ihnen ermöglicht, zu reagieren und wirklich aussagekräftige Bilder zu erstellen. Ich möchte das gern verfolgen und glaube, es könnte der Anfang von etwas sehr Interessantem sein. Es hat mir in vielerlei Hinsicht gezeigt, wie kraftvoll die Verwendung von visuellen Bildern sein kann. Die Arbeiten der jungen Leute wurden der ganzen Welt gezeigt, und die Welt reagierte positiv. Und das ist wirklich fantastisch. Ich werde meine Arbeiten nach Möglichkeit weiterhin verfolgen, aber wenn ich das Projekt Through Our Lens mit dieser Gruppe ausbauen und weiterentwickeln kann, würde ich es gern auf andere Gruppen auf der ganzen Welt ausweiten. Dies kann Leben verändern. Als Fotografen machen wir häufig Fotos von Menschen, um der Welt ihre Geschichte zu zeigen. Aber mir wird jetzt bewusst, dass es von Bedeutung ist, wenn die Menschen selbst ihre Situation durch Fotografie oder die Kunst der Worte zum Ausdruck bringen können.

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Auf der ganzen Welt wurden in fotografischen Communitys die Arbeiten der Teenager gelobt, und alle waren sehr freundlich. Viele kommentieren auf Instagram oder teilen die Arbeiten auf Twitter. Fotografen wie Barrie Lewis, Jillian Edelstein, Stella Kramer, Kathy Ryan. Ich bin so begeistert von den jungen Fotografen.

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MPB: Was ist die nächste Phase des Projekts?

CM: Ich arbeite derzeit an diesem Projekt sieben Tage die Woche, acht Stunden am Tag. Das ist allein meine Entscheidung, und ich habe das Gefühl, dass ich es genau so machen muss – deshalb funktioniert es gut. Ich würde jedoch gern Mitstreiter an Bord holen, um die Entwicklung und Ausstellung der Arbeit durch Sponsoring, Unterstützung oder Schirmherrschaft zu unterstützen. Gemeinsam können wir wirklich viel stärker sein. Ich habe gerade ein Patreon-Konto für Through Our Lens eingerichtet, falls jemand daran interessiert ist, die Arbeit zu unterstützen.

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