
MPB trifft: Architekturfotografin Danica O. Kus
Veröffentlicht am 24. Juli 2020 von MPB
Architekturfotografin Danica O. Kus spricht mit uns über ihre Arbeit, Kameraausrüstung und ihre Online-Ausstellung im Rahmen des diesjährigen London Festival of Architecture.

MPB: Kannst du uns ein wenig darüber erzählen, wie du zur Fotografie gekommen bist?
DOK: Ich begann mit der Fotografie, als ich 1999 nach Belgien zog. Ich studierte Fotografie an der Akademia RhoK und später an der Ecole des Arts d‘Ixelles in Brüssel.

MPB: Wie war deine fotografische Laufbahn? Hast du mit einer bestimmten Art von Fotografie begonnen, die dich schließlich zum architektonischen Stil geführt hat?
DOK: Am Anfang war ich an Porträt- und Landschaftsaufnahmen interessiert. Ich war besonders begeistert von der Arbeit in der Dunkelkammer, als das Bild sich unter den Chemikalien entwickelte. Die Arbeit mit analogen Kameras, die Entwicklung von Schwarzweißfilmen und das Anfertigen von Abzügen in der Dunkelkammer waren für mich sehr wichtig beim Erlernen und Verstehen der Fotografie. Später hatte ich die Gelegenheit, für ein slowenisches Architekturmagazin zu arbeiten, in dem meine Arbeit veröffentlicht wurde. Das war eine große Motivation für mich, und ich habe mich voll und ganz der Architekturfotografie verschrieben.
Heute fotografiere ich gern Architektur, die innovativ, nachhaltig und im Einklang mit der Natur ist. Seit 2018 nehme ich am London Festival of Architecture (LFA) teil, das jedes Jahr im Juni stattfindet. In diesem Jahr wurde aufgrund des Coronavirus LFA Digital eingeführt. Dort beteilige ich mich mit meiner Ausstellung A Vision for the Future: Sustainable Buildings. In dieser Ausstellung stelle ich ein nachhaltiges Bürogebäude, 7 More London, das PwC-Gebäude von Foster + Partners vor. Das LFA-Team hat gerade angekündigt, dass das Festival vor Ort von September bis Dezember dieses Jahres stattfinden wird.

Neben dem Fotografieren von in Auftrag gegebenen Projekten erkunde ich auch Architektur in Form von Raum und Poesie. Mit meinen persönlichen Projekten präsentiere ich Räume gern als emotionale Erfahrung. Ich fotografiere überwiegend zeitgenössische Architektur, aber ich freue mich auch darauf, das architektonische Erbe, die industrielle Architektur, die historischen Gebäude oder den Restaurations- und Konstruktionsprozess zu fotografieren.

MPB: Es gibt viele Winkel und organische Formen in deinen Arbeiten. Ist das eine bewusste Wahl?
DOK: Ich bin mir bewusst, dass ich immer nach Licht Ausschau halte, wie das Licht in den Raum fällt und dadurch neue Formen entstehen. Ich achte auch auf Geräusche, Temperatur, Geruch und Material. Ich möchte gerne die Atmosphäre des Raums erkunden und sie in meine Fotos bringen.

MPB: Wie hat sich deine Ausrüstung verändert? Womit fotografierst du?
DOK: Ich habe verschiedene Kameras und Objektive verwendet – Nikon, Canon, Pentax usw. Derzeit arbeite ich mit einer DSLR, der Canon EOS 1DX. Ich verwende verschiedene Canon-Objektive sowie Tilt/Shift-Objektive. Ich bevorzuge das verfügbare Licht und verwende selten künstliches Licht.

MPB: Gibt es jemanden, von dessen Arbeit du dich inspirieren lässt?
DOK: Viele großartige Fotograf:innen aus dem letzten Jahrhundert – zeitgenössische Künstler:innen und Architekturfotograf:innen – haben mich inspiriert. Ich möchte nur einige davon erwähnen: Edward J. Steichen, Josef Sudek, Julia Margaret Cameron, Masao Yamamoto und Bauhaus-Künstler:innen. Ich bewundere ihre Arbeit aufgrund ihrer Originalität, ihrer neuen Vision, ihrer Komposition und der Poesie.

MPB: Was ist deine Erfahrung als Architekturfotografin? Wie zugänglich ist das Genre?
DOK: Es ist ein Privileg für mich, als Architekturfotografin zu arbeiten, was mir die Möglichkeit gibt, im Vergleich zu männlichen Fotografen einen zusätzlichen Blickpunkt auf die Architektur zu präsentieren. Ich glaube, dass die Zugänglichkeit zu diesem Genre eine Frage der Möglichkeit ist, Kund:innen zu finden, und auch der Qualität der fotografischen Arbeit.

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