
Waldfotografie: Die 10 schönsten Fotospots in Deutschland
Veröffentlicht am 23. Januar 2026 von MPB
Unterschiedliche Lichtstimmungen, ständig wechselnde Farben und Kompositionen zwischen Chaos und Ordnung: Kaum eine Spielart der Landschaftsfotografie ist so vielseitig und anspruchsvoll wie die Waldfotografie – und Deutschlands Wälder bieten ideale Voraussetzungen.
Landschaftsfotograf Kilian Schönberger ist seit knapp 20 Jahren mit der Kamera in den Wäldern der Republik unterwegs und nimmt dich mit zu den 10 schönsten Fotospots – von urigen Bergwäldern über mystische Mittelgebirge bis hin zu rauen Küstenwäldern.
Hier erfährst du, welche Motive dich jeweils erwarten, wann sich ein Ausflug besonders lohnt und wie du die Magie dieser Orte am besten einfängst.
1. Bayerischer Wald – Urige Wildnis und herbe Schönheit

Kilian Schönberger | Nikon D850 | Nikon NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8E ED VR | 45 mm | f/16 | 10 sec | ISO 64
Der Bayerische Wald gehört zu den Regionen Deutschlands, die ich am besten kenne. Gleich hinter dem Garten meiner Eltern in der ostbayerischen Oberpfalz begann ein schier endloses Waldgebiet, in dem ich schon als Kind viel Zeit verbrachte.
Der Nationalpark ist eines der wenigen deutschen Waldgebiete, in denen natürliche Prozesse großflächig sichtbar bleiben dürfen – und genau das macht seinen Reiz für die Waldfotografie aus. Hier findest du eine seltene Vielfalt an abstrakten Motiven, die bei den richtigen Bedingungen erstklassige Bilder liefern. Dazu zählen zum Beispiel auch die Spuren, die der Borkenkäfer hier seit den 1990er-Jahren hinterlassen hat.
Motive und Bildideen
Abgestorbene Bergfichten
Spannende Kombinationen aus Wald und Wasser
Detailaufnahmen von Lebensgemeinschaften wie Moosen oder Bärlapp
Beste Zeit und Bedingungen
Herbst und Winter für eine mystische Atmosphäre (diffuses Licht funktioniert oft besser als direkte Sonne)
Sommer für kürzere Wege auf den Lusen (im Winter verlängert sich die Gehzeit aufgrund von Straßensperrungen)
Tipp
Der Lusen bietet mit seinen Wanderwegen und seinem Gipfelplateau vielseitige Bildansätze – von Weitwinkel- bis Teleaufnahmen der endlosen Waldwogen bis hin zu intimen Detailaufnahmen von moosbedeckten Granitblöcken.
Auf dem Weg nach Waldhäuser – dem Ausgangspunkt der Lusenwanderung – überquerst du die Kleine Ohe, einen naturnahen Bach, der sich perfekt eignet, um verschiedene Belichtungszeiten und Kompositionen auszuprobieren.
Wichtiger Hinweis: Drohnenfotografie ist im Nationalpark Bayerischer Wald grundsätzlich verboten.
2. Harz – Mystische Fichtenwälder und Nebel über schroffen Felsen

Kilian Schönberger | Nikon Z8 | Nikon NIKKOR Z 24-120mm f/4 S | 38 mm | f/11 | 1/5 sec | ISO 400
Der Harz zählt zu den geheimnisvollsten Mittelgebirgen Deutschlands. Nicht umsonst gilt der Brocken als der Hexentanzplatz schlechthin.
Die Gegend um den höchsten Berg Norddeutschlands (1.141 Meter) bietet mit ihren Mooren, Wasserfallkaskaden und seeartigen Teichen eine abwechslungsreiche Kulisse für die Waldfotografie. Aber auch hier hat sich bedingt durch Trockenheit und den Borkenkäfer das Waldsterben breitgemacht. Eine neue Waldgeneration setzt sich erst nach und nach durch.
Besonders in den Hochlagen entfalten Nebel, Wolken und wechselnde Lichtstimmungen ihre Wirkung. Fichtenwälder, Granitfelsen und offene Bereiche wechseln sich ab und bieten vielfältige Motive – von weiten Landschaften bis hin zu intimen Waldszenen.
Motive und Bildideen
Nebelige Fichtenwälder in den Hochlagen
Silhouetten der Felskuppen zwischen Leistenklippe und Brocken
Kontraste zwischen jungen Laubbäumen und rauen Granitoberflächen
Wasserläufe, Kaskaden und Teiche im Wald
Beste Zeit und Bedingungen
Frühling für frisches Grün im Buchenwald entlang der Ilse
Sommer für spektakuläre Sonnenuntergänge
Herbst und Winter für Nebel, klare Strukturen und mystische Stimmungen
Tipp
Die Leistenklippe liegt auf rund 900 Metern Höhe und bietet einen guten Blick in Richtung Brockenplateau. Besonders an Sommerabenden entstehen hier stimmungsvolle Kompositionen, wenn die Sonne in Richtung Brocken untergeht und die Silhouetten der dazwischenliegenden Felskuppen für Tiefe im Bild sorgen.
Wenn du den Harz und seine verschiedenen Waldtypen vom Rand bis in die Hochlagen mit deiner Kamera erkunden willst, empfehle ich eine Wanderung entlang der Ilse. Auf den rund 800 Höhenmetern von Ilsenburg bis zum Ursprung des Flusses nahe dem Brockengipfel wechseln sich Buchenwälder, Wildbachkaskaden, abgestorbene Waldbereiche und dichte Bergfichtenwälder ab – die perfekten Voraussetzungen für stimmungsvolle Waldfotos abseits klassischer Aussichtspunkte.
3. Sächsische Schweiz – Wälder zwischen gewaltigen Sandsteintürmen

Kilian Schönberger | Sony A7R | Sigma 24mm f/3.5 DG DN FE | 200 mm | f/13 | 1/50 sec | ISO 200
Die Sächsische Schweiz erinnert an eine Kreuzung zwischen dem Canyonlands-Nationalpark und dem Pazifischen Nordwesten in Miniaturausführung.
Mit ihren einzigartigen steilen Sandsteinfelsen, tief eingeschnittenen Elbtalschluchten und imposanten Aussichtspunkten gehört sie definitiv zu den außergewöhnlichsten Landschaften Deutschlands.
Das Potenzial für atemberaubende Waldfotos reicht hier von Detailaufnahmen besonders schöner Baumexemplare bis hin zu beeindruckenden Panoramabildern.
Motive und Bildideen
Panoramaaufnahmen der Wälder und Felsformationen vom Kleinen Winterberg
Nebel in den Schluchten und im Kleinen Zschand
Silhouetten von Bäumen und Felsen bei Gegenlicht
Krumm gewachsene Kiefern auf Felsvorsprüngen
Buchenwälder entlang schmaler Pfade
Beste Zeit und Bedingungen
Frühling bis Herbst ist in der Sächsischen Schweiz die beste Jahreszeit für die Waldfotografie; Schneebilder sind wegen der geringen Höhe über dem Meeresspiegel meist nur spontan möglich
Tipp
Ein lohnender Aussichtspunkt ist der Kleine Winterberg mit Blick über den Kleinen Zschand, besonders bei Sonnenaufgang. Vor allem im Gegenlicht entfalten die aus dem Wald ragenden Felsen eine atemberaubende Wirkung – und mit etwas Glück hält sich noch Nebel im Tal und sorgt für zusätzliche Tiefe im Bild.
Auch die Bastei bietet interessante Motive für deine Waldfotografie: Unweit der Basteibrücke wacht die einmalige Pölking-Kiefer über dem Amselgrund und von den Aussichtspunkten aus geht der Blick auf wilde Baumlandschaften auf senkrechten Felswänden sowie auf Birken und Kiefern zwischen den Felsformationen. Je nach Jahreszeit findest du hier ein einzigartiges Zusammenspiel aus Formen und Farben.
Für Abenteuerlustige: Wenn dir die schmalen Pfade entlang der Klippen nichts ausmachen, lohnt sich ein Abstieg in die Schluchtwälder der sogenannten Schwedenlöcher.
4. Schwarzwald – Märchenwald mit Höhen und Tiefen

Kilian Schönberger | Nikon D850 | Nikon AF-S NIKKOR 70-200mm f/4G ED VR | 200 mm | f/13 | 1/50 sec | ISO 200
Der Schwarzwald nimmt unter den deutschen Mittelgebirgen eine Sonderstellung ein. Mit dem Feldberg als höchstem Gipfel abseits der Alpen und den großen Höhenunterschieden zum Rheintal sind die Hänge hier deutlich steiler als in vielen anderen Regionen und die Waldlandschaften bieten jede Menge Abwechslung.
Je nach Teilregion verändert sich der Charakter des Schwarzwaldes deutlich: Der niedrigere Nordteil ist unter anderem für seinen Wasserreichtum und moosgrüne Schluchtwälder bekannt, der Hochschwarzwald bietet steile Waldhänge und spektakuläre Aussichten in Richtung der Schweizer Alpen und rüber zu den Vogesen.
Ob intime Details oder weit gestaffelte Waldlandschaften – deinen Bildideen für die Waldfotografie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Motive und Bildideen
Teilweise von Moorvegetation bedeckte Karseen unter waldbedeckten Steilwänden
Verschneite Fichten und raureifüberzogene Äste in höheren Lagen
Naturnahe Waldhänge mit einzelnen freistehenden Bäumen
Schluchtwälder mit Wasserfällen, Moosen und Totholz
Waldlandschaften an Hangkanten mit Blick ins Rheintal
Spektakuläre Sonnenuntergänge im Westen
Beste Zeit und Bedingungen
Winter für märchenhafte Schnee- und Raureifstimmungen in den Hochlagen
Frühling und Herbst für sattes Grün oder buntes Laub in Schluchtwäldern und an Bachläufen
Nach Regenfällen für Wasserfallaufnahmen
Tipp
Einer der schönsten Fotospots im Schwarzwald ist der Feldberg, der sich trotz seiner Höhe (1.277 m) gut mit dem Lift oder zu Fuß erklimmen lässt.
Für die Waldfotografie sind aber weniger das Gipfelplateau und sein schütterter Baumbestand, sondern vor allem die Hänge in Richtung Westen interessant, wo sich der Wald mit zunehmender Neigung immer mehr verdichtet. Hier lohnt sich der Einsatz von Teleobjektiven mit längeren Brennweiten, um Baumgruppen zu verdichten, einzelne Stämme aus dem Gewirr zu lösen und natürliche Linien im Wald herauszuarbeiten. Auch der Ausblick über tief eingeschnittene Täler und das Rheintal oder der Blick runter zum Feldsee sind definitiv das ein oder andere Foto wert.
Ein weiteres lohnendes Ziel sind die Gertelbach-Wasserfälle im Nordschwarzwald. Die hohen Niederschlagsmengen sorgen hier für üppig bewachsene Schluchtwälder mit moosüberzogenen Felsen und Baumstämmen und wunderbare Voraussetzungen, um Wald und Wasser gemeinsam aufzunehmen. Vor allem im Frühling mit frischem Grün oder im Herbst zur Hochphase der Laubfärbung findest du hier stimmungsvolle Kombinationen aus Wald und Wasser.
5. Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern – Wo der Wald bis ans Meer wächst

Kilian Schönberger | Nikon D850 | Nikon AF-S NIKKOR 70–200mm f/4G ED VR | 110 mm | f/13 | 1/20 sec | ISO 400
Wind in den Baumkronen, salzige Luft und ein Blick bis zum Horizont – an der Ostsee trifft Waldfotografie auf das offene Meer.
Anders als an der Nordsee reicht der Wald hier oft direkt bis zum Strand oder zur Küstenkante. Diese ungewöhnliche Nähe von Wald und Meer verleiht der Region einen ganz eigenen Charakter und liefert besondere Waldmotive.
Fotografieren am Meer heißt aber auch schnell wechselnde Bedingungen und fast immer Wind. Außerdem stehen besonders naturnahe Küstenwaldabschnitte wie im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft unter Naturschutz und dürfen nicht abseits der Wege betreten werden.
Motive und Bildideen
Küstenwälder an Steilkanten
Windschiefe Kiefern (sogenannte „Windflüchter“)
Entwurzelte Bäume und Treibholz am Strand
Kontraste zwischen Wald, Sand und Meer
Beste Zeit und Bedingungen
Nebel für ruhige, geheimnisvolle Stimmungen
Tief stehende Sonne bei Sonnenauf- und Untergang für besondere Lichtstimmungen (vor allem im Sommer)
Wind für Bewegung im Wasser und verdeckte Fußspuren im Sand
Tipp
Einer der bekanntesten Fotospots für Waldfotografie an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern ist der Gespensterwald bei Nienhagen. Er macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Besonders bei Nebel oder tief stehender Sonne entstehen hier stimmungsvolle Bilder von bleichen und kahlen Bäumen an der Steilküste.
Wichtig: Halte beim Fotografieren unbedingt ausreichend Abstand zur Kante der Steilwand, die stellenweise einsturzgefährdet ist.
Folgst du der Küste weiter nach Osten, erreichst du den Darßer Weststrand mit dem dahinterliegenden Darßwald – ein ehemaliges Jagdgebiet der DDR-Parteiführung, das heute ein Nationalpark ist. Um den 14 Kilometer langen Sandstrand mit der Kamera komplett zu erkunden, brauchst du etwas Kondition, da Teile davon nur zu Fuß erreichbar sind. Dafür wirst du aber mit den meisten der oben genannten Motive belohnt.
6. Taunus – Gipfelglück am Rande der Großstadt

Kilian Schönberger | Sony A7R II | Sigma 24mm f/3.5 DG DN FE | 24 mm | f/13 | 1/8 sec | ISO 100
Viele kennen den Taunus nur als dunklen Höhenzug nördlich des Frankfurter Flughafens – und von Waldfotograf:innen wird dieses Mittelgebirge oft unterschätzt. Dabei reicht der Taunus weit über den Hochtaunus hinaus (bis zum Rheintal im Westen und zur Lahn im Norden) und bietet gerade dort noch viel Raum für Entdeckungen.
Motive und Bildideen
Krumme Buchen und strukturreiche Wälder am Großen Feldberg
Nebelige Waldszenen
Niederwaldeichen mit niedrigem, verdrehtem Wuchs
Übergänge zwischen Wald und Weinbergen am Rhein
Beste Zeit und Bedingungen
Frühling, Herbst und Winter für Struktur, Farbe und Atmosphäre
Nebel als zentrales Gestaltungselement
Diffuses Licht für ruhige Kompositionen
Tipp
Von Frankfurt am Main aus erreichst du in wenigen Autominuten den Großen Feldberg (nicht zu verwechseln mit dem Feldberg im Schwarzwald). Eine Straße erleichtert den Zugang zum Gipfelniveau, für die Waldfotografie sind aber vor allem die Randbereiche des Gipfelplateaus interessant. Hier bieten krumm gewachsene Buchen zu jeder Jahreszeit starke Motive – ob mit frischem Laub im Frühling, herbstlichen Farben oder Raureif im Winter.
Die gute Erreichbarkeit hat allerdings auch ihren Preis: Gerade an beliebten Tagen solltest du unbedingt Geduld mitbringen und aufpassen, dass du anderen Fotograf:innen nicht in die Komposition läufst.
Ein weiterer spannender Fotospot im Taunus ist der Niederwald bei Rüdesheim. Die Rinde der dortigen Eichen wurde in der Vergangenheit zum Gerben von Leder genutzt, was bei vielen der Bäume am Hang zum Rhein zu einem niedrigen bzw. verdrehten Wuchs geführt hat. Besonders in der Vegetationszeit und bei Nebel liefern diese Wälder stimmungsvolle Fotos.
7. Eifel – Weite Laubwälder und atmosphärische Flusstäler

Kilian Schönberger | Sony A7R II | Sigma 24mm f/3.5 DG DN FE | 24 mm | f/11 | 4/5 sec | ISO 200
Die Eifel ist für die Waldfotografie auf den ersten Blick unspektakulär. Große Höhenunterschiede oder wirklich atemberaubende Landschaften suchst du hier meist vergeblich. Außerdem werden viele der Wälder forstwirtschaftlich genutzt, und nach wirklich spannenden Motiven musst du ein wenig suchen. Aber die gute Nachricht ist: Schon kleine, naturnahe Bestände reichen für ansprechende Waldfotos völlig aus.
Geologisch ist die Eifel sehr vielfältig: Hier treffen Staukuppen vulkanischen Ursprungs und wassergefüllte Maare auf Kalkgestein, Sandsteinlandschaften, Schiefervorkommen und vieles mehr.
Motive und Bildideen
Weite Laubwälder für einen ruhigen Bildaufbau
Krüppeleichen an steilen Hängen, besonders im Ahrtal
Verschiedene Waldmotive entlang stiller Flusstäler
Moor- und Randbereiche im Hohen Venn
Beste Zeit und Bedingungen
Frühling für frisches Grün und Frühblüher
Spätherbst für rotgoldenes Laub im Buchenwald
Winter für Raureifstimmungen im Hohen Venn
Diffuses Licht für gleichmäßige Kontraste
Tipp
Das Ahrtal war während meines Geographiestudiums in Bonn mein fotografisches Stammrevier. Die Eichenwälder an den steilen Talhängen sind von der Flutkatastrophe 2021 weitgehend verschont geblieben und bieten mit ihren kleinwüchsigen Krüppeleichen ganzjährig starke Motive. Entlang von Wanderwegen wie dem Ahrsteig oder dem Rotweinwanderweg lassen sich diese Bestände gut erkunden. Für die Bildgestaltung empfehle ich dir, nicht nur mit Weitwinkel-, sondern auch mit leichten Teleobjektiven zu arbeiten, um dich gezielt auf die Wuchsformen der Bäume zu konzentrieren.
Nahe der belgischen Grenze beginnt mit dem Hohen Venn ein Hochmoorgebiet, das mit seinen offenen, mit kleinen Baumgruppen und Waldinseln gespickten Flächen ein wenig an Skandinavien erinnert. Dazwischen erstrecken sich monotone Fichtenforste, die in ihrer Einförmigkeit ebenfalls interessante Motive sein können. Besonders bei Raureif im Winter entstehen hier ruhige, melancholische Waldbilder.
8. Thüringer Wald – Weite Höhenzüge und stimmungsvolle Täler

Kilian Schönberger | Sony A7R II | Sony FE 70-200mm f/4 G OSS | 122 mm | f/13 | 1/6 sec | ISO 100
Der Thüringer Wald zieht sich wie ein langgestreckter Rücken im Herzen Deutschlands von West nach Ost. Mit dem Rennsteig verläuft hier über rund 170 Kilometer einer der bekanntesten Weitwanderwege des Landes entlang des Kamms und streift Natur- und Kulturhighlights wie die Wartburg oder die Drachenschlucht.
Viele verbinden die Region vor allem mit dem Wintersport – aber abseits des Rennsteigs hat der Thüringer Wald für Waldfotograf:innen einiges zu bieten.
Fichtenwälder prägen hier vielerorts das Landschaftsbild, aber es gibt auch immer wieder schöne Waldgebiete und stille Täler, die besonders im Winter – aber auch bei Nebel oder Regen – für eine ruhige, fast märchenhafte Stimmung sorgen.
Motive und Bildideen
Dichte Bergwälder entlang des Rennsteigs
Verschneite Fichtenwälder und Raureif an Ästen
Bewaldete Täler mit Felsformationen
Nebelige Waldlandschaften mit klarer Tiefenstaffelung
Beste Zeit und Bedingungen
Winter für Schnee- und Raureifstimmungen
Nebel für ruhige, reduzierte Kompositionen
Regen für satte Farben in den Tälern
Tipp
Rund um Oberhof findest du durch die Höhenlage und die Beschneiung der Langlaufloipen besonders gute Bedingungen für winterliche Waldfotos. Verschneite Fichten und Raureif sind hier keine Seltenheit. Die einzige Herausforderung ist, die Wintersportanlagen und Infrastruktur aus dem Bild zu halten.
Ein weiteres lohnendes Ziel ist der Lauchagrund bei Tabarz, der auch als Felsental bekannt ist. Schon der Weg durch das grüne und immer wieder mit Felsen durchsetzte Tal ist entschleunigend. Der markante Torstein – ein über 5 Meter hoher und an manchen Stellen 12 Meter breiter begrünter Felsdurchlass – erinnert an eine Szene aus einem modernen Fantasyfilm. Besonders bei Regen oder Nebel entfaltet der waldreiche Lauchagrund seine volle Wirkung, da das Grün der Vegetation dann besonders saftig wirkt.
9. Pfälzerwald – Sandsteinfelsen und warmes Abendlicht über endlosen Baumkronen

Kilian Schönberger | Sony A7R | Sigma 24mm f/3.5 DG DN FE | 24 mm | f/11 | 1/4 sec | ISO 200
Der Pfälzerwald kann zwar nicht mit viel Höhe punkten, gehört aber trotzdem zu den interessantesten Fotorevieren für die Waldfotografie in Deutschland.
Zum Landschaftsbild gehören endlose, von Laubwald bedeckte Hügel, spektakuläre Sandsteinfelsen (teils eindrucksvoller geformt als in der Sächsischen Schweiz) und zahlreiche Burgruinen, die gemeinsam wunderbare Voraussetzungen für stimmungsvolle Landschafts- und Waldfotos bieten.
Motive und Bildideen
Nebel in den bewaldeten Tälern zwischen den Hügeln
Krumme Kiefern auf bizarr geformten Sandsteinfelsen
Burgruinen, die wie Zähne aus dem Wald ragen
Moose, Flechten und kleine Detailwelten auf Felsen und Totholz
Beste Zeit und Bedingungen
Frühsommer und Herbst für Licht und Farben
Morgens für Talnebel bei Sonnenaufgang
Abends für warmes Licht auf den rötlichen Felsen
Winter für eindrucksvolle Raureifstimmungen
Diffuses Licht für Detail- und Makroaufnahmen
Tipp
Eine spannende Location für stimmungsvolle Waldfotos ist die Karlstalschlucht bei Trippstadt. Hier plätschert die Moosalbe entlang kleiner Kaskaden durch eine von Buchen bewachsene Waldschlucht. Die im Wasser liegenden Steine und das Totholz entlang der Ufer sind von einer dicken Moosschicht überzogen, und im malerischsten Abschnitt steht ein alter Holzpavillon, der mit seinem moosbedeckten Dach ein wenig an die Waldstädte der Elben aus Herr der Ringe erinnert. Wenn du die umliegenden Rotbuchen als Bildelemente mit einbauen möchtest, empfehle ich dir, mit einem Teleobjektiv zu arbeiten und Durchblicke aus der Ferne zu suchen. So wirkt der Pavillon zwischen den alten Bäumen noch verlorener.
Eine gute Möglichkeit, um dir einen Überblick über die Wipfel und Gipfel des Pfälzerwaldes zu verschaffen, bietet der Rehbergturm bei Annweiler. Bei guter Sicht reicht der Blick bis zur sagenumwobenen Burg Trifels. Aber auch das unmittelbare Umfeld lohnt sich: Auf den Sandsteinfelsen im Wald wachsen eigenartig geformte Kiefern und an den mageren Standorten entstehen mit Flechten und Moosen kleine Waldmotivwelten, die sich hervorragend für Makro- und Detailaufnahmen eignen.
10. Rügen – Insel der Buchenwälder

Kilian Schönberger | Nikon D850 | Nikon AF-S NIKKOR 70–200mm f/4G ED VR | 110 mm | f/13 | 1/20 sec | ISO 400
Rügen ist ein außergewöhnliches Ziel für die Waldfotografie. Immer wieder reichen Wälder direkt bis ans Meer, gegliedert durch unzählige Buchten, Steilkanten und kleine Seen.
Besonders die alten Buchenwälder im Nordosten sind bis heute gut erhalten. Sie stehen unter Naturschutz und gehören inzwischen sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe. Aber wenn du die Augen offen hältst, entdeckst du fast überall auf der Insel spannende Baumbestände.
Motive und Bildideen
Alte Buchenwälder entlang der Kreideküste
Krumme Stämme und freiliegende Wurzeln an den Steilkanten
Bruch- und Moorwälder mit stehenden Wasserflächen
Skurrile Baumformen wie die Süntelbuchen im Hexenwald
Beste Zeit und Bedingungen
Frühling für Buschwindröschen unter noch unbelaubten Buchen
Herbst für feine Laubfarben
Winter für ruhige, monochrome Stimmungen bei Schnee, die an Tuschezeichnungen erinnern
Feuchte Luft und Nebel für weiche Kontraste
Tipp
Ein besonders eindrucksvolles Fleckchen für die Waldfotografie auf Rügen ist der Nationalpark Jasmund. Vom Großparkplatz in Hagen führen Wege vorbei am Aussichtspunkt Viktoriasicht entlang der Kreideküste. Wenn du hier unterwegs bist, blickst du teilweise über 100 Meter tief auf die Ostsee. Direkt an der Kante der Kreidefelsen begegnest du einem typischen Motiv der Rügener Waldfotografie: Buchen mit krummen Stämmen, die mit weit verzweigten Wurzeln um Halt ringen.
Aber auch abseits der Küste lohnt es sich, die Augen offen zu halten. An kleinen Seen und Mooren haben sich Erlenbruchwälder gebildet, in denen die Bäume bei hohem Wasserstand sprichwörtlich „nasse Füße“ bekommen und teils unheimlich wirkende Fotomotive liefern.
Ein kleines, aber besonderes Wäldchen ist der Hexenwald bei Lietzow. Er ist eigentlich gar kein richtiger Wald, sondern eine Ansammlung von künstlich gepflanzten Süntelbuchen. Im Gegensatz zu „richtigen“ Buchen wachsen diese Bäume stark verdreht, neigen sich in alle Himmelsrichtungen und haben ein Blätterdach, das bis zum Boden reicht. Die skurrilen Stämme und Äste ermöglichen dir ganzjährig unzählige Kompositionsmöglichkeiten – auch wenn das Auge mit all den Linien und Kurven zunächst etwas überfordert ist. Um bei der Bildgestaltung etwas mehr Ruhe und keine Menschen im Bild zu haben, empfehle ich dir einen Besuch zu den Tagesrandzeiten.
Die hier vorgestellten Fotospots in Deutschland sind eine persönliche Auswahl von Orten, die sich für meine Waldfotografie über Jahre hinweg als besonders lohnend erwiesen haben.
Sie eignen sich sowohl für ausgedehnte Fototouren als auch als Inspiration, den Wald vor der eigenen Haustür neu zu entdecken – denn gute Motive liegen oft näher, als man denkt.
Wenn du gerade erst in die Waldfotografie einsteigst, findest du oben im Video praktische Tipps. Umfassende Infos zum Thema gibt es in meinem Lehrbuch Faszination Waldfotografie, das im Rheinwerk Verlag erschienen ist.
Mehr über Kilian und seine Arbeit erfährst du auf Instagram unter @kilianschoenberger.
Weitere Tipps und Techniken findest du auf dem MPB-Blog.

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