
Tipps für die Promi-Fotografie von Giulia Parmigiani
Veröffentlicht am 4. März 2026 von MPB
Giulia Parmigiani gehört zu den Stars der internationalen Promi-Fotografie. Ihre Porträts sind ausdrucksstark, authentisch und wirken mit ihrer Dramaturgie gleichzeitig filmreif und unglaublich menschlich. Im Interview verrät sie uns, wie sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, und warum sie ihren Erfolg vor allem Kooperationen, ihrem Talent und sehr viel harter Arbeit zu verdanken hat. Außerdem erfährst du, welche Ausrüstung und Techniken für die Promi-Fotografie am besten geeignet sind.

Selbstporträt | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 24-70mm f/2.8 GM II | 42mm | f/2.8 | 1/200 | ISO 400
Giulia Parmigiani über den Einstieg in die Promi-Fotografie
Wie bist du zur Promi-Fotografie gekommen?
Die Fotografie habe ich durch Zufall für mich entdeckt. Während meines Mathematikstudiums belegte ich Fotografie als Wahlfach. Ich kaufte mir also eine Grundausrüstung und machte auf Veranstaltungen erste Schnappschüsse. Nachdem ich mein Diplom in der Tasche hatte, entschied ich mich, einen Kurs in 3D-Animation zu machen, und erhielt von der renommierten Rainbow Academy in Rom, die für 3D-Animation und VFX in Kinofilmen bekannt ist, ein Jobangebot für eine unbefristete Stelle im Bereich Lighting und Surfacing. Meine ganze Familie war überglücklich, aber ich war ehrlich gesagt nicht sehr begeistert davon, zehn Stunden am Tag am Computer zu verbringen. Als ich eines Tages erfuhr ich, dass an einem Filmset in der Schweiz eine Vertretung für einen Fotografen gesucht wurde, ergriff ich die Gelegenheit und lehnte den unbefristeten Vertrag ab.

Zendaya | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 35mm f/1.4 GM | 35mm | f/5.6 | 1/200 | ISO 100
Du hast dich also schon damals für Setfotografie begeistert?
Ich bin ja gewissermaßen am Set aufgewachsen. Mein Vater war Executive Producer und nahm mich oft mit zur Cinecittà. Dort lernte ich, mich am Set richtig zu bewegen und die „Hierarchien“ zu verstehen und zu respektieren. Ich habe schon immer gerne beobachtet und dadurch viel gelernt. Und mein Talent blieb nicht lange unentdeckt, sodass ich schon bald meine ersten Engagements bei italienischen Filmproduktionen bekam. Mein Traum war es, am Set als Kamerafrau zu arbeiten, aber da es in Italien nicht viele Frauen hinter der Kamera gibt, wurde mir davon abgeraten. Mittlerweile bereue ich es, auf diese Stimmen gehört zu haben.
Wie kam der erste Kontakt in Übersee zustande?
Nach der Geburt meines ersten Kindes verabschiedete ich mich zunächst vom Set. Einige Jahre später kam eine Agentur auf mich zu, die mich in die Welt der Premieren und Festivals einführte.
Ab diesem Zeitpunkt kursierte mein Name unter den Kund:innen dieser Agentur. Leider hatte ich einen Exklusivvertrag unterschrieben, wovon ich Freiberufler:innen immer abrate, da unsere Freiheit ein wichtiges Gut ist! Schließlich gelang es mir aber aus eigener Kraft, mich aus diesem Vertrag zu lösen und trotz der Pandemie und der Geburt meines zweiten Kindes, das damals noch sehr klein war, auf dem roten Teppich der Internationalen Filmfestspiele in Venedig Fuß zu fassen. Und die Mühen haben sich definitiv gelohnt, denn im Jahr darauf beauftragte mich Universal Italia als Fotografin für drei internationale Filme.
Und das war der Wendepunkt?
Genau. Anschließend brachte mich Universal Italia direkt mit der Abteilung Global Photography von Universal in Los Angeles in Kontakt, die meine Arbeit sehr schätzte. Und das war der Anstoß für verschiedene internationale Kooperationen, zum Beispiel am Set von Fast and Furious. Mein Name begann in Los Angeles die Runde zu machen, bis er für Firmen wie Netflix US und Searchlight zu einem Bezugspunkt in Europa wurde. Drei Jahre nach dem ersten E-Mail-Kontakt wurde ich dann gebeten, für Universal die Oscar-Verleihung in Los Angeles zu begleiten.

Yorgos Lanthimos mit den Darsteller:innen von Kinds of Kindness (2024) | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 24-70mm f/2.8 GM II | 24mm | f/5.6 | 1/200 | ISO 400
Tipps und Techniken für die Promi-Fotografie
Hast du vielleicht ein paar Tipps für uns, wie man in der Promi-Fotografie Fuß fassen kann?
Ich würde definitiv sagen, dass man möglichst viel Erfahrung sammeln sollte. Nur so kann man sich Event für Event ein Portfolio aufbauen und herausfinden, welche Ausrüstung am besten funktioniert. Außerdem muss man immer wieder Rückschläge hinnehmen und sich Herausforderungen stellen. Das Wichtigste ist also, niemals aufzugeben und zu lernen, sich in schwierigen Momenten durchzusetzen und sich nicht herunterziehen zu lassen.
Ein lieber Freund, der italienische Sänger Ultimo, hat es einmal so ausgedrückt: „Lebt euren Plan A ohne einen Plan B, aber macht es mit Leidenschaft.“

Cillian Murphy und Gareth Bromell | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 35mm f/1.4 GM | 35mm | f/1.6 | 1/160 | ISO 5000
Wie verhält man sich als Fotograf:in auf dem roten Teppich?
Zeige vor allem Respekt gegenüber den Fotograf:innen, die schon vor dir vor Ort waren, denn in dieser Branche sieht man sich selten nur einmal und Höflichkeit währt in dem ganzen Blitzlichtgewitter noch immer am längsten. Nur weil du mit deiner Kamera in der ersten Reihe stehst, heißt das schließlich noch lange nicht, dass du auch die besten Fotos machst.
Wie fängst du die besten Momente ein und gewinnst die Aufmerksamkeit der Prominenten?
Bei Festivals heißt es vor allem schnell sein. Geschwindigkeit ist alles, da Agenturen die Aufnahmen direkt an Redaktionen senden, die sie ohne viele Änderungen sofort online stellen. Mir ist es gelungen, Geschwindigkeit mit Qualität zu verbinden. Ich liefere in kürzester Zeit etwas aufwendigere und künstlerische Fotos, die nur in 40 % der Fälle nachbearbeitet werden müssen.
Außerdem bin ich kein Fan von Serienbildern, sondern agiere lieber ein bisschen wie eine Scharfschützin, die auf den richtigen Moment oder den richtigen Ausdruck wartet, bevor sie abdrückt. So geht auch die Nachbearbeitung schneller. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Diskretion. Besonders am Set oder wenn man ganz nah an Schauspieler:innen dran ist, ist Respekt geboten, denn die Schauspieler fühlen sich oft von den ganzen Fotograf:innen überwältigt und schätzen es sehr, wenn man Feingefühl an den Tag legt und nicht zu aufdringlich ist. Ich denke, das ist es, was sie an mir am meisten schätzen. Lily Collins hat mir zum Beispiel nach dem Dreh von Emily in Paris einen Brief geschrieben, um sich zu bedanken. Das war für mich die schönste Anerkennung.

Rolando Ravello, Cate Blanchett und Evan Johnson | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 70-200mm f/2.8 GM OSS II | 200mm | f/2.8 | 1/320 | ISO 1600
Welche Ausrüstung hast du zum Einstieg benutzt?
Wenn ich mich recht erinnere, war das eine Canon EOS 60D. Ehrlich gesagt erinnere ich mich gar nicht mehr an das Objektiv und meine sonstige Ausrüstung. Auf jeden Fall habe ich für meine damalige Ausrüstung keine Unsummen ausgegeben. Wenn mich Freund:innen oder Bekannte nach Ausrüstungstipps fragen, sage ich immer, sie sollen mit dem anfangen, was sie haben. Der Rest kommt ganz von alleine.
Und wie sieht es mit deiner aktuellen Ausrüstung aus?
Ich liebe die Marke Sony und benutze die Sony A1 II und A9 Mark II mit Sony-Objektiven. Ich habe meistens zwei oder drei Kameras dabei, weil ich hauptsächlich Festbrennweiten verwende und offenblendig fotografiere. Meine bevorzugten Objektive sind das Sony 35mm f/1.4 GM, das Sony FE 50mm f/1.4 GM und das Sony FE 135mm f/1.8 GM, weil ich am liebsten auf den Blitz verzichte. Die Sony A1 Mark II benutze ich mehr für gestellte Aufnahmen wie Marketing-Shootings, weil sie eine höhere Auflösung hat und somit ideal für Fotos ist, die für Print bestimmt sind. Die A9 Mark II bietet eine sehr gute ISO-Performance und eignet ich perfekt für Sets und Reportagen mit schlechten Lichtverhältnissen.
Am Set wirkst du wie Lara Croft – unglaublich schnell und von oben bis unten mit Gurten und Ausrüstung bedeckt. Wie bringst du das alles unter einen Hut?
Das ist tatsächlich nicht immer leicht, da man dafür jede Menge Kondition braucht, die ich eigentlich nicht habe. Ich habe immer zwei oder drei Objektive dabei, die ich je nach Entfernung wechsle. Außerdem benutze ich ein australisches Frauengeschirr aus Leder, um das mich alle beneiden. Rückenschmerzen sind allerdings unvermeidlich.
Und wie stehst du zum Thema Beleuchtung?
Bei Fotos im Reportagestil arbeite ich am liebsten ohne Blitz – außer, wenn es gar nicht anders geht. Wie gesagt, stehen für mich Diskretion und Zurückhaltung an erster Stelle. Deshalb bevorzuge ich natürliches Licht.
Mein fotografischer Umgang mit Licht ist vor allem meiner Erfahrung geschuldet. Ich kenne den Markt und weiß, was meine Kund:innen wollen. Das hilft mir, meine Fotos schnell und präzise umzusetzen.
Welche Kamera würdest du Leuten empfehlen, die gerade erst in die Porträtfotografie einsteigen?
Für Urlaubsfotos mit meinen Kindern habe ich immer meine Sony A9 dabei. Sie macht immer noch unglaublich gute Aufnahmen und darf auf meinen Reisen nicht fehlen.

Willem Dafoe und Emma Stone | Giulia Parmigiani | Sony A9 II | FE 35mm f/1.4 GM | 35mm | f/1.8 | 1/2500 | ISO 800
Danke, Giulia, dass du uns mit deinen Promi-Fotos zum Träumen gebracht hast. Entdecke weitere unglaubliche Aufnahmen von Giulia auf Instagram. Noch mehr Tipps und Techniken findest du auf dem MPB-Blog.
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