
Offene Blenden für unkonventionelle Landschaftsfotos
Veröffentlicht am 10. September 2025 von MPB
Landschaftsfotograf:innen arbeiten in der Regel mit maximaler Schärfentiefe, um den Fokus auf einen Großteil der Szene zu legen. Aber manchmal eröffnet das Brechen von Regeln großartige kreative Möglichkeiten. Was sollte man bei Landschaftsaufnahmen mit geringer Schärfentiefe also am besten beachten? Outdoor-Fotograf James Popsys war für uns mit den beiden Festbrennweitenobjektiven Sony FE 24mm f/1.4 GM und Sony FE 85mm f/1.4 GM auf der walisischen Halbinsel Llŷn unterwegs, um mit maximaler Blende von f/1.4 die atemberaubenden Küsten einzufangen.
Befolge die Ratschläge von James Popsys und entdecke, wie dir mit geringer Schärfentiefe unkonventionelle Landschaftsbilder gelingen.
https://youtu.be/uMADVV9tOL8?rel=0Ich bin auf der walisischen Halbinsel Llŷn unterwegs, die so einige Überraschungen bereithält. Nachdem ich kürzlich eine Profilaufnahme eines ganz normalen Gebäudes auf Flickr entdeckt hatte, war ich ziemlich perplex, als ich vor zehn Minuten dort ankam und es sich als etwas völlig anderes herausstellte. Trotzdem ist die Halbinsel Llŷn ein wunderschöner Ort, und ich kann es kaum erwarten, sie zu erkunden.
Aus diesem Blickwinkel würde man nie vermuten, worum es sich bei diesem Gebäude wirklich handelt. Jetzt bin ich aber erst einmal gespannt, was dieser Ort sonst noch zu bieten hat.

James Popsys | Sony ILCE-7RM4 | 24 mm | f/1.4 | 1/1250 sec
Ich habe mir von MPB zwei Objektive ausgeliehen: das Sony FE 24mm f/1.4 GM und das Sony FE 85mm f/1.4 GM. Mein Ziel ist es, heute ausschließlich Fotos mit f/1.4 zu machen, um meine Kreativität auf die Probe zu stellen und herauszufinden, welche Ergebnisse ich damit erzielen kann. Gerade ist es zwar einigermaßen hell, aber ich glaube, dass mir das Ziel, das ich mir gesetzt habe, trotzdem ein paar spannende kreative Herausforderungen bietet.
Für mein zweites Foto habe ich auf das 85-mm-Objektiv gewechselt. Ich möchte einen Küstenabschnitt aus einem bestimmten Winkel einfangen. Obwohl es heute etwas neblig ist, ist die Szene sehr kontrastreich und die dunklen Felsen und der helle Himmel sorgen für eine interessante Dynamik. Wahrscheinlich werde ich diesen Kontrast in der Nachbearbeitung verstärken.

James Popsys | Sony ILCE-7RM4 | 24 mm | f/1.4 | 1/800 sec
Konzentriere dich auf den Vordergrund
Es wäre schön, wenn ein Vogel durchs Bild flöge, aber leider sehe ich im Moment keinen. Eine andere Möglichkeit ist, Elemente im Vordergrund mit einzubauen, die den dreidimensionalen Effekt des Bildes verstärken – besonders bei f/1.4. Vielleicht funktioniert es mit diesem Stacheldrahtzaun? Mit dem 85-mm-Objektiv bin ich aus dieser Perspektive womöglich schon zu nah dran, damit man die Pfosten auf dem Bild auch als solche erkennt. Ich trete also lieber noch einen Schritt zurück.
Die Geschichte hinter dem Stacheldrahtzaun und der Küstenlinie ist mir zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht bekannt, aber genau solche Motive fördern das kreative Denken, das man an den Tag legen muss, um seinen Kompositionen durch Elemente im Vordergrund einen Rahmen und Tiefe zu verleihen.

James Popsys | Sony ILCE-7RM4 | 85 mm | f/1.4 | 1/500 sec
Beziehe Gebäude mit ein
Ich versuche es noch einmal mit einer weiteren Profilaufnahme des Gebäudes, diesmal aus einem anderen Winkel. Wenn ich ein Stück weiter zurückgehe und mir einen höheren Standpunkt suche, kann ich auch noch die Küste im Hintergrund mit einbeziehen, was für eine schönere Komposition sorgt. Von diesem Felsen aus könnte mir eine perfekte Profilaufnahme gelingen, bei der die Felsen dem Bild Struktur verleihen.
Ich werfe noch kurz einen zweiten Blick auf die Aufnahme des Zauns mit dem 24-mm-Objektiv. Ist sie vielleicht zu weitwinklig? Mal sehen! Aber jetzt bin ich vor allem gespannt, worum es bei dieser kleinen Hütte geht. Zunächst wechsle ich noch einmal zurück zum 85-mm-Objektiv, weil ich im Hintergrund eine leichte Bergsilhouette direkt oben auf der Halbinsel bemerkt habe. Das könnte ein überzeugendes Bild ergeben.
Ich wünschte schon jetzt, ich hätte eine Tasche für meine Objektive mitgebracht. Der ständige Objektivwechsel ist mühsam – aber egal. Die Bergsilhouette ist noch sichtbar, also schauen wir mal, was mit dem 85-mm-Objektiv passiert.

James Popsys | Sony ILCE-7RM4 | 85 mm | f/1.4 | 1/400 sec
Genau solche Bilder liebe ich – welche, die Fragen aufwerfen. Was ist das für ein Gebäude? Wozu dient es? Wie lange steht es da schon? Wann hat es zuletzt jemand besucht? Solche Fragen kommen mir sofort in den Sinn, wenn ich solche Bilder sehe, und ich liebe es, wie die geringe Schärfentiefe den Blick auf das Motiv lenkt.
Es kommt aber noch besser: An diesem Strand gibt es noch weitere Hütten und Gebäude. Was für ein verstecktes Juwel! Ich habe jetzt wieder auf das 24-mm-Objektiv gewechselt, was du bestimmt auch an den Bildern erkennen kannst. Trotzdem versuche ich auch weiterhin, dich über das Objektiv, das ich jeweils verwende, auf dem Laufenden zu halten.
Erzeuge Tiefe durch Reflexionen
Ich liebe es, Hütten zu fotografieren. Die Herausforderung dabei ist, sie so einzufangen, dass ihr Verhältnis zur umliegenden Landschaft sichtbar wird. Diese Hütten sind zum Beispiel vom Meer abgewandt, sodass ich keine Reflexionen in den Fenstern nutzen kann, um Tiefe zu erzeugen. Das macht die Komposition etwas knifflig, denn ich möchte auch etwas Kontext zeigen, anstatt nur einfache Bilder von den Gebäuden zu machen.
Dieser Strand war schon ziemlich beeindruckend, aber jetzt ziehe ich weiter an einen anderen.
Der nächste Ort ist magisch. Der Sprühnebel, der von den Felsen aufsteigt, ist wunderschön. Am liebsten würde ich später nochmal zurückkommen, um sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Licht zu fotografieren. Ein f/1.4-Objektiv ist besonders nützlich bei schlechten Lichtverhältnissen, und ich wollte sehen, wie sich die beiden Objektive bei solchen Verhältnissen verhalten.
Isoliere dein Motiv
Das Fotografieren mit diesen lichtstarken Festbrennweitenobjektiven hat mir gut gefallen. Man könnte denken, dass ich als jemand, der keine Stative mag, mit solchen Objektiven bereits bestens vertraut wäre, aber das bin ich wirklich nicht. Ich habe hier einfach nur nach einer kreativen Herausforderung gesucht. Viele Fotograf:innen sind der Meinung, dass Objektive mit so großen Blendenöffnungen für die Landschaftsfotografie nicht geeignet sind, aber da bin ich anderer Meinung. Bei Motiven mit viel Tiefe musst du dir damit zwar mehrere Fokuspunkte suchen, aber wenn du dein Motiv freistellen und einen traumhaften Effekt erzeugen möchtest, sind diese Objektive einfach großartig.
Fotografiere bei schlechten Lichtverhältnissen
Die Aufnahmen bei wenig Licht und in fast völliger Dunkelheit haben mich besonders beeindruckt. Mit dem 85-mm-Objektiv konnte ich Aufnahmen mit 1/125 sec machen, während meine ISO-Einstellungen noch auf dem Basiswert waren. Das ist das Schöne an lichtstarken Festbrennweiten. Natürlich musst du dabei mit dem Kompromiss leben, dass nur ein kleiner Teil deiner Szene scharf ist, aber wenn das für deine Komposition funktioniert, ist es ein toller Effekt.

James Popsys | Sony ILCE-7RM4 | 85 mm | f/1.4 | 1/8000 sec
Dieses Bild versprüht mit dem Wasser, das auf der gegenüberliegenden Küstenseite von den Felsen spritzt, einfach pure Magie, und ich hatte hier die Gelegenheit, noch ein bisschen bei gutem Licht zu fotografieren. Alles in allem muss ich sagen, dass mir das Arbeiten mit diesen schnellen Festbrennweitenobjektiven echt Spaß gemacht hat.
Weitere Testberichte und Tipps und Techniken findest du auf dem MPB-Blog.
Willst du deine Kameraausrüstung verkaufen oder in Zahlung geben? Erhalte ein kostenloses Sofortangebot, kostenlosen und versicherten Versand an MPB und eine schnelle Bezahlung. Wenn du deine Kameraausrüstung beim Kauf von MPB-geprüfter Ausrüstung in Zahlung gibst, ist der Versand in beide Richtungen kostenlos.