
MPB trifft: Umweltfotograf Michael Schauer
Veröffentlicht am 31. Jänner 2022 von MPB
Der Umweltfotograf Michael Schauer, der mit Nikon-DSLRs und DJI-Drohnen fotografiert, hat sich auf Bilder spezialisiert, die Ozeane und Wasserlandschaften zeigen. In diesem Interview mit MPB spricht er über den Klimawandel, seinen Background, seine Kameraausrüstung und Tipps für Anfänger.

MPB: Wie kamst du zur Fotografie und zu dem spezielle Genre Ozeanfotografie?
MS: Mit dem Fotografieren habe ich erst 2014 angefangen, als ich einen neuen kreativen Ausdruck gesucht habe, nachdem meine damalige Band sich aufgelöst hat. Fotografie und speziell Natur- und Landschaftsfotografie haben mich schon immer interessiert, und so habe ich zuerst ganz einfach mit meinem Handy und kurz darauf mit meiner ersten DSLR, einer Nikon D5300, Bilder gemacht. Wasser war gefühlt schon immer eines der Dinge, die mich fasziniert haben – es gibt endlose Möglichkeiten und Motive, wenn man Wasser fotografiert. Gerne beschreibe ich meine Arbeit als "Wasser in verschiedenen Aggregatszuständen".

MPB: Du fotografierst auch sehr oft mit einer Drone. Hat dies einen bestimmten Grund?
MS: Das Fotografieren mit einer Drohne ermöglicht mir, Motive zu abstrahieren und durch den veränderten Blickwinkel – die Vogelperspektive – eine neue Beziehung zur Landschaft herzustellen. Wenn man die Welt von oben sieht, achtet man auf andere Elemente in der Komposition. Man denkt weniger in Motiven, sondern mehr in einem Fluss von Formen.

MPB: Machst du deine Bilder eher für dich selbst oder werden sie zum Beispiel auch gedruckt oder ausgestellt?
MS: In erster Linie fotografiere ich für mich selbst und um mich auszudrücken, aber ich habe das große Glück, dass meine Bilder einen gewissen Absatz finden. So kam es dazu, dass ich zum Beispiel eine Serie an das Harvard Business Review lizenziert habe und meine Bilder auch schon weltweit ausgestellt wurden.

MPB: Welche Ausrüstung benutzt du? Und warum genau diese für dein Genre?
MS: Ich benutze gerade eine Nikon D850 in Kombination mit einem Nikon AF-S 80-400mm f/4.5-5.6G ED VR- und einem Nikon Nikkor Z 24-70mm f/2.8 S-Objektiv. Besonders Ersteres ermöglicht es mir, viele kreative Möglichkeiten wahrzunehmen, ohne ständig ein neues Objektiv aus meinem Rucksack kramen zu müssen. Die Kamera mit ihren 45.7 Megapixeln und der hohen dynamic Range erlaubt es mir bei der Bildbearbeitung das Beste aus den Bildern rauszuholen. Für Aufnahmen aus der Luft verwende ich die DJI Mavic 2 Pro.

MPB: Wie planst du deine Reisen?
MS: Meistens stolpere ich über ein Bild von einem Spot den ich schön finde und dann suche ich diesen Ort und andere Spots in dessen Nähe. So entsteht eine Route. Meistens bin ich nicht lange an einem Ort, es sei denn, es gibt so viele Möglichkeiten, dass das gerechtfertigt ist. Meine Reisen sind meistens Roadtrips im Sinne des Wortes, sodass ich mich viel Bewege und von einem Spot zum nächsten fahre. Allerdings möchte ich in Zukunft auch gerne etwas langsamer unterwegs sein, sodass ich mich auf einige wenige ausgewählte Spots konzentrieren und alle kreativen Möglichkeiten ausschöpfen kann.

MPB: Gibt es einen Ort wo du gerne nochmals Fotografieren gehen möchtest?
MS: Island und die Disko Bucht in Grönland sind Orte endloser Inspiration für mich.



MPB: Glaubst du, dass die Fotografie von den Gletschern und dem Ozean einen Einfluss auf das Bewusstsein der Menschen zum Thema Klimawandel hat?
MS: Ich hoffe es zumindest. Fotografie ist eines der wenigen anschaulichen Mittel, die wir haben um die Klimakrise zu dokumentieren und den Menschen vor Augen zu führen. Wenn meine Bilder von Gletschern, die vor der Sonne abgeschirmt werden müssen um nicht zu schmelzen etwas in den Menschen auslöst, bin ich froh.

MPB: Hast du ein Lieblingsbild das du uns zeigen möchtest? Wenn ja welches und warum?
MS: Dieses Bild aus eine Eishöhle in der Schweiz ist für mich mein bestes Bild. Die Linien und Kontraste ergeben einen Fluss, der aus der Mitte des Bildes entspringt und die Reflexionen des Lichts aus dem Spalt in der Mitte tanzen schier auf dem Eis.

MPB: Kannst du dich mit der Stimmung deiner Bilder identifizieren? Diese sind sehr ruhig und emotional.
MS: Die Fotografie und vor allem das Editieren stellen für mich eine Art Meditation dar. Ich kann mich stundenlang in einem Bild verlieren um daraus etwas zu schaffen, das mich glücklich macht. Dabei fließt bestimmt einiges von meiner Persönlichkeit oder meinen ästhetischen Vorstellungen in das fertige Bild. Also ja, meine Bilder sind auch etwas sehr persönliches.


MPB: Hast du Tipps für Anfänger:innen, die in die Ozeanfotografie einsteigen möchten? Worauf kommt es besonders an?
MS: Ich glaube, man kann eigentlich mit jeder Kamera-Objektiv-Kombination gute Bilder vom Ozean machen. Es kommt eben darauf an, was man fotografieren möchte. Wenn man Wellen vom Land aus fotografieren möchte, würde ich ein Objektiv empfehlen, das etwas mehr Telefähigkeiten hat, um durch eine schöne Kompression die Wellen noch größer erscheinen zu lassen. Wenn man die Weite und Ruhe des Meers einfangen möchte, kann man natürlich auch mit etwas weitwinkligen Objektiven fotografieren. Um sich bewegendes Wasser scharfgestellt zu bekommen, sollte man eine kurze Belichtungszeit verwenden, aber wenn man ein Stativ hat, kann man auch länger belichten um so interessante und surreale Bewegungen in den Wellen festzuhalten. Am wichtigsten ist, dass man versteht, dass das Wasser immer in Bewegung ist, und man am besten „mit dem Flow“ geht.

MPB: Was hast du für die Zukunft geplant? Hast du schon ein bestimmtes Projekt an dem du arbeitest?
MS: Ich werde definitiv auf Teneriffa Wellen und Wüsten fotografieren. Auch die Südküste von England finde ich sehr spannend und natürlich versuche ich auch alsbald wieder nach Island zu kommen.
Was Projekte angeht, beschäftige ich mich mehr und mehr mit Animationen aus GANs – neuronale Netzwerke, die sich selbst Animationen ausdenken. So habe ich meine Wellenbilder in eines solches Netzwerk gepackt und bin seitdem fasziniert, was es mir alles zeigen kann. Diese Intersektion zwischen Technologie und menschlichem Input finde ich gerade sehr spannend.
Weitere spannende Interviews findest du auf dem MPB-Blog.
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