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MPB trifft: Architekturfotografin Rafaela Netto

Veröffentlicht am 24. Juli 2020 von MPB

In diesem Interview sprechen wir mit der Architekturfotografin Rafaela Netto über ihr Handwerk, ihre Kameraausrüstung und ihre Einflüsse.

Rafaela Netto

RN: Als ich 2002 nach Toronto in Kanada gezogen bin, habe ich mit dem Fotografieren begonnen. Ich war 16 und hatte eine Kompaktkamera, die nicht sehr gut funktionierte, aber ich habe sie überallhin mitgenommen. Ich fotografierte hauptsächlich Landschaften – so anders als jene, die mir in Brasilien vertraut waren. Alles war so anders und faszinierend, also fotografierte ich viel während meiner Spaziergänge durch die Stadt. Ich war auf diesen Spaziergängen immer allein und fotografierte meine neue Umgebung, um sie mit meinen Freunden aus Brasilien zu teilen. Ein paar Monate nach meiner Ankunft meldete ich mich für einen Fotokurs an, bei dem ich zum ersten Mal mit einer Spiegelreflexkamera und einem Schwarzweißlabor Kontakt hatte. 2004 kehrte ich nach Brasilien zurück, und im Jahr darauf habe ich ein Fotografiestudium begonnen. Bis dahin hatte ich nie über die Geschichte und Sprache der Fotografie nachgedacht. Ich habe einfach nur Fotos gemacht. Dann habe ich angefangen, zu studieren und meine Zeit voll und ganz der Fotografie zu widmen.

Rafaela Netto

RN: Mein erster Job war als Event-Fotografin – Geburtstage, Hochzeiten, Taufen, alle Arten von Veranstaltungen. Ich habe mich mit dieser Arbeit nicht identifiziert, weil es mir immer sehr wichtig war, so viel wie möglich allein zu arbeiten. All diese Leute, obwohl sie das Hauptmotiv des Jobs waren, haben mich ganz durcheinander gebracht. Aber ich habe es jahrelang getan, weil ich damit Erfahrungen sammeln konnte und das Geld es mir ermöglichte, in eine Ausrüstung zu investieren. Zwischendurch arbeitete ich auch mit Kunstdrucken und als Assistentin für meinen Freund Ricardo Teles. Erst im Jahr 2010 kam ich mit der Architekturfotografie in Kontakt – ich begann mit der Arbeit für Nelson Kon, einem der ersten Architekturfotografen in Brasilien. Ein paar Jahre später habe ich mit der Event-Fotografie aufgehört. 2013 hatte ich meinen ersten Architekturfotografie-Job für einige Freunde von mir. Obwohl ich drei Jahre lang mit Nelson zusammenarbeitete, hatte ich bis dahin nichts in Bezug auf diesen Bereich veröffentlicht, aber es klappte trotzdem. Sie mochten es, ich mochte es, und jetzt bin ich Architekturfotografin in Vollzeit.

MPB: Womit fotografierst du?

RN: Ich arbeite mit einer Canon EOS 5D Mark II mit Objektiven von 24–105 mm und 70–200 mm sowie mit Tilt/Shift-Objektiven von 17, 24 und 50 mm. Außerdem ein Manfrotto-Stativ und eine Wasserwaage, die an der Kamera befestigt ist.

Rafaela Netto

MPB: Gibt es jemanden, von dessen Arbeit du dich inspirieren lässt?

RN: Meine größte Inspiration ist Nelson. Er hat mir alles Wissenswerte über die Architekturfotografie beigebracht, und er ist sehr großzügig mit seinem Wissen. Ich liebe auch die Werke von Lorena Darquea, Iwan Baan, Julius Shulman, Nick Hufton, Allan Crow und Joana França, und ich bin ein großer Fan von Hélène Binet.

MPB: Was ist deine Erfahrung als Architekturfotografin? Wie zugänglich ist das Genre?

RN: Ich habe oft das Gefühl, dass Kund:innen an meiner Fähigkeit als Fotografin zweifeln, weil ich eine junge Frau bin. Es wird nicht offen gesagt – immer etwas Subtiles, wie überrascht zu sein, wenn sie mich persönlich treffen oder um mich herumzulaufen, um zu sehen, was ich während der Fotoshootings mache. Ich muss sagen, dass ich enorme Genugtuung empfinde, wenn diese Kund:innen ihre Bilder erhalten und mir sagen, wie zufrieden sie mit den Ergebnissen sind. Und es geht mir wie Frauen in jedem Bereich: Kund:innen wählen einen männlichen Fotografen, der nicht so viel Erfahrung hat wie ich.

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