Maria Sharapova of Russia serves during the BNP Paribas Open at the Indian Wells Tennis Garden in Indian Wells, California. The light across her body is dappled, with her hand to the right of the frame and her racquet to the left.

Leitfaden: Dein Einstieg in die Tennisfotografie

Veröffentlicht am 26. Februar 2026 von MPB

Geduld und Können sind – genau wie beim Tennisspielen – die beiden wichtigsten Eigenschaften, die du für die Tennisfotografie mitbringen solltest. Egal, ob du mit deiner Kamera in einem Tennisclub in deiner Nähe oder beim Grand Slam unterwegs bist – dein Können ständig auf die Probe zu stellen und zu lernen, wie du einen Aufschlag einfrierst, einem Ballwechsel folgst oder Emotionen am besten einfängst, ist der Schlüssel zum Erfolg. Hier erfährst du alles, was du für den Einstieg in die Tennisfotografie brauchst, einschließlich Ausrüstungstipps, Kameraeinstellungen, Verhaltensregeln beim Fotografieren und Tipps für die ersten Schritte in Richtung Profikarriere.

Getty Images Sportfotograf Matthew Stockman – einer der erfahrensten Tennisfotografen unserer Zeit – liefert exklusive Einblicke.

Novak Djokovic aus Serbien schlägt den Ball zu Andrey Golubev aus Kasachstan. Aufgenommen in Wimbledon, London, am 23. Juni 2014.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX | EF 70-200mm f/2.8L IS II USM | 95mm | f/3.5 | 1/2000 | ISO 320

Über Matthew Stockman

Matthew Stockman kommt ursprünglich aus Iowa City und studierte Fotojournalismus an der Western Kentucky University. Seine Karriere begann beim Inside Sports Magazine und der Century Publishing Company in Chicago, bevor er 1994 zunächst als Redakteur und dann als Fotograf zur Fotoagentur Allsport USA in Los Angeles wechselte. Allsport wurde schließlich zur weltbekannten Marke Getty Images, wo Matthew sich als führender Tennisspezialist etablierte.

Im Laufe seiner Karriere hat er über 30 Grand Slams, die Olympischen Spiele, ATP/WTA-Touren, große internationale Meisterschaften und Sportveranstaltungen jeder Größenordnung auf der ganzen Welt begleitet. Heute lebt Matthew in Denver, Colorado, und ist Aufsichtsratsmitglied des Doug Pensinger Photography Fund, der sich für die Förderung der nächsten Generation von Fotojournalist:innen einsetzt.

Was ist Tennisfotografie?

In der Tennisfotografie geht es darum, Spieler:innen sowohl in Aktion als auch in ruhigeren Momenten einzufangen, um die Geschichte eines Matches zu erzählen. Auch die Trainer:innen in der Box, die Fans auf den Tribünen und die allgemeine Atmosphäre vor Ort tragen natürlich zur Erzählung bei. Schon bei deinem ersten Match wirst du feststellen, wie viel Durchhaltevermögen du brauchst und wie schnell die Lichtverhältnisse wechseln. Die schnellen Bewegungen des Balls und der Spieler:innen erfordern kurze Verschlusszeiten, und um die wirklich spannenden Momente einzufangen, ist das Timing entscheidend.

Richtig gute Tennisfotografie geht oft über die offensichtliche Action des Spiels hinaus und vermittelt die Emotionen und die Spannung auf dem Platz. Wie kannst du den Betrachter:innen deiner Fotos das Gefühl geben, mitten im Geschehen zu sein? Mit den folgenden Tipps gehst du selbstbewusst in dein erstes Shooting.

Caroline Wozniacki aus Dänemark schlägt bei den Miami Open im Hard Rock Stadium in Miami Gardens, Florida, bei einem Match gegen die Rumänin Monica Niculescu einen Ball zwischen ihren Beinen durch.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX Mark II | EF 300mm f/2.8L IS II USM | 300mm | f/8.0 | 1/2500 | ISO 320

Top-Tipps für die Tennisfotografie

Die Dynamik bei einem Tennismatch kann sich innerhalb von Sekunden ändern. Deshalb braucht es für die Tennisfotografie Konzentration und Vorbereitung. Wenn du die Bewegungen der Spieler:innen verstehst, dich geschickt positionierst und auf das Licht achtest, hast du eine viel bessere Chance, die entscheidenden Momente einzufangen.

Informiere dich über die Spieler:innen und Teams

Dich vor dem Match über die Spieler:innen zu informieren, ist der beste Weg, um ihre Bewegungen und Reaktionen abschätzen zu können. Nimm dir im Vorfeld etwas Zeit, um die Spieler:innen zu beobachten und dir Notizen zu machen. Finde heraus, ob sie Links- oder Rechtshänder:innen sind, ob sie dazu neigen, ans Netz zu stürmen oder eher hinten im Feld zu bleiben, wohin sie nach einem gewonnenen oder verlorenen Punkt schauen und wie sie in der Regel auf Erfolge und Niederlagen reagieren.

„Jede:r Spieler:in hat bestimmte Eigenheiten … Manche gehen ans Netz, manche spielen mit links, und andere zeigen ihre ganze Persönlichkeit“

Auch Trainer:innen, die Social-Media-Kanäle der Teams und Videoaufnahmen von größeren Matches bieten wertvolle Einblicke, aus welchen Winkeln sich die Spielweise oder Persönlichkeit einzelner Spieler:innen am besten einfangen lassen. Je besser du verstehst, wen du fotografierst, desto einfacher wird es, Schlüsselmomente vorauszuahnen und Fotos zu machen, die eine Geschichte erzählen.

Such dir für den Anfang am besten eine:n Spieler:in aus und beobachte das Verhalten. So erkennst du schnell die Gewohnheiten und weißt, wann du den Finger auf dem Auslöser haben musst. Nutze nach Möglichkeit ein Standardzoom (18–55 mm oder 24–70 mm) für Aufwärmporträts und Reaktionen und ein Telezoom (55–200 mm oder 70–200 mm) für harte Action.

Eine Weitwinkelaufnahme von Novak Djokovic aus Serbien, der gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga im Halbfinale der Shanghai Rolex Masters im Qi Zhong Tennis Zentrum in Shanghai, China, spielt. Das gesamte Stadion samt Nachthimmel wurde mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX | EF 15mm f/2.8 Fisheye | 15mm | f/4.0 | 1/320 | ISO 800

Arrangiere dich mit deiner Position auf dem Spielfeld

Einer der größten Fehler, den du als Fotograf:in am Anfang machen kannst, ist, ständig dem Geschehen hinterherzujagen und dich über den Platz zu bewegen. Profis machen das nicht – aus gutem Grund. Tennis hat einen Rhythmus, den du nur antizipieren kannst, wenn du lange genug an einem Ort bleibst, um die Muster zu erkennen. Such dir einen geeigneten Standort, von dem du dich einen Satz oder sogar mehrere Spiele lang nicht wegbewegst. Durch Wiederholung werden dein Timing schärfer, deine Kompositionen sauberer und dein Gefühl für die entscheidenden Momente besser, was letztendlich auch dein Selbstvertrauen stärkt.

„Ich bleibe meistens einen ganzen Satz lang am selben Ort. Wenn du ständig herumläufst, nimmst du eine Menge durchschnittliche Bilder mit nach Hause, aber nur selten außergewöhnliche.“

Bei der Tennisfotografie kommt es ganz darauf an, wo auf dem Platz du stehst, und verschiedene Standorte bieten unterschiedliche Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen. Sich nicht vom Fleck zu bewegen, muss dabei keine Einschränkung sein, sondern kann sogar dafür sorgen, dass du bessere und stilistisch einheitlichere Bilder machst. Einige einfache Positionen sind: hinter der Grundlinie (für die besten Ball-auf-Schläger-Aufnahmen), an den Seitenlinien (ideal für dynamische Nahaufnahmen) und auf der Tribüne (für Weitwinkelaufnahmen, die die Atmosphäre einfangen).

Beachte die Platzetikette

Indem du dich an die Platzetikette hältst, steigt deine Chance, wiederkommen zu dürfen – und bei organisierten Matches wie Turnieren ist Etikette genauso wichtig wie die Komposition.

Zum Beispiel solltest du dich grundsätzlich nur während Seitenwechseln oder in Spielpausen zwischen den Spieler:innen bewegen (niemals mitten im Match). Stell dich auch niemals ins Blickfeld der Schiedsrichter:innen oder des Publikums. Respektiere die Regeln bezüglich Blitzverbot und Verschlussgeräuschen, und lege deine Ausrüstung nicht auf Sponsorenwände oder Netzpfosten.

Bei professionellen Events werden Fotograf:innen an bestimmten Orten platziert. Meistens sind das die Gruben am Spielfeldrand, hinter der Grundlinie oder bei großen Plätzen auf der Tribüne.

Ein 70–200-mm-Objektiv (oder 55–200 mm bei APS-C Kameras) ist das perfekte Tool, um verschiedene Blickwinkel einzufangen. So kannst du auch ohne Standortwechsel packende Action-Aufnahmen und ausdrucksstarke emotionale Momente festhalten.

Carlos Alcaraz aus Spanien beim Aufschlag. Sein rechter Arm zeigt nach hinten, der Tennisball ist beleuchtet und in der Luft. Der Hintergrund der Aufnahme ist komplett schwarz.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS R1 | RF 400mm f/2.8 L IS USM | Canon RF 1.4x Extender | 560mm | f/7.1 | 1/3200 | ISO 320

Arbeite mit dem vorhandenen Licht

Das Licht ist eine der größten Herausforderungen in der Tennisfotografie, aber wenn du es einmal verstanden hast, kann es zur Geheimwaffe werden. Ein Tennismatch kann weniger als eine Stunde, aber auch über fünf Stunden dauern. Besonders im Freien bedeutet das, dass sich die Lichtverhältnisse ständig ändern.

„Vor dem Turnier gehe ich über die Plätze, um die Lichtverhältnisse zu checken. Auf jedem Platz gibt es ein Zeitfenster, in dem das Licht am besten ist, und lange Phasen, in denen das nicht der Fall ist.“

Carlos Alcaraz aus Spanien versucht bei einem Spiel gegen den Serben Hamad Medjedovic bei den Cincinnati Open in Mason, Ohio, den Ball zu erwischen. Sein Schatten fällt auf einen schlichten blauen Untergrund.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS R1 | RF 400mm f/2.8 L IS USM | Canon RF 1.4x Extender | 560mm | f/7.1 | 1/2500 | ISO 320

„Für mich persönlich ist das Spiel zwischen Licht und Schatten am späten Nachmittag einer der schönsten Momente.“

Wenn du feststellst, dass aus einer bestimmten Richtung besonders gutes Licht kommt, warte ab, bis sich die Action dort abspielt. Die Bewegungen beim Tennis sind überschaubar, und die Spieler:innen kommen immer wieder in dieselben Bereiche zurück.

Aryna Sabalenka feiert einen Matchball gegen Jessica Pegula aus den Vereinigten Staaten während ihres Halbfinalspiels im Dameneinzel der US Open 2025 im USTA Billie Jean King National Tennis Center in New York City. Mit dem Schläger in der rechten Hand stößt sie einen Freudenschrei aus.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS R1 | RF 100-300mm f2.8 L IS USM | 216mm | f/2.8 | 1/2500 | ISO 4000

Beleuchtungsspickzettel für den Einstieg

Verschiedene Tageszeiten können sich unterschiedlich auf deine Aufnahmen auswirken:

  • Morgen: Weiches, schmeichelhaftes Licht, das sich hervorragend für Porträts eignet.

  • Mittag: Oft grelle Sonne, sodass du beim Fotografieren darauf achten solltest, dass sich die Sonne hinter den Spieler:innen befindet.

  • Später Nachmittag: Mit warmen Farben und langen Schatten die beste Zeit für den Einstieg in die Tennisfotografie.

  • Abend: Helles Flutlicht erfordert möglicherweise höhere ISO-Werte.

Auch verschiedene Oberflächen reagieren unterschiedlich auf Licht:

  • Sandplatz: Sorgt für warme Farbe und Staubwolken, die bei flachem Lichteinfall funkeln können.

  • Gras: Bedeutet weniger Reflexionen und flachere Winkel für lange Schatten und saubere, einfache Hintergründe.

  • Hartplatz: Starke Reflexionen und satte Farben erfordern oft bestimmte Aufnahmewinkel, um störende Blendungen zu vermeiden.

Du brauchst kein teures Equipment, um das Licht für dich arbeiten zu lassen, sondern einfach nur den passenden Winkel. Pack aber trotzdem eine Gegenlichtblende mit ein, um Reflexionen zu mindern, und achte auf Silhouetten, lange Schatten und kontrastreiche Szenen.

Fang Action und Emotionen ein

Beim Tennis lassen sich viele Momente vorhersehen, was für Sportfotograf:innen ein großer Vorteil ist. Da sich die Action wiederholt, bekommst du hier jede Menge Gelegenheiten, um dein Timing zu verbessern. Hast du eine kräftige Vorhand verpasst? Kein Problem. In 20 Sekunden kommt der nächste Schlag. Versuche zum Einstieg, ein paar einfache Action-Momente einzufangen, zum Beispiel den Ball, der gerade den Schläger berührt, eine Reaktion direkt nach einem Punkt oder Spieler:innen, die sich für einen Return weit in Richtung Ball strecken.

„Beim Tennis wiederholt sich vieles – und das lässt sich von Fotograf:innen gut zu ihrem Vorteil nutzen. Mach dir Notizen zu den Spieler:innen, arbeite an deinem Timing und bleib das ganze Match über am Ball.“

Du musst dem Ball nicht perfekt folgen. Konzentriere dich stattdessen lieber auf die Spieler:innen und lerne, den Moment des Aufpralls oder der Streckung vorauszuahnen. Die Abläufe beim Tennis wiederholen sich: Aufschlag, Schlag, Recovery und Reaktion.

Ruhige Aufnahmen können übrigens genauso wirkungsvoll sein. Für den Einstieg sind solche Momente perfekt, da sie kein schnelles Timing erfordern. Versuch's doch zum Beispiel mal mit folgenden Motiven: Spieler:in auf dem Platz mit dem Publikum im Hintergrund; Spieler:innen bei einer Trink- oder Handtuchpause oder bei der Beratung mit ihren Trainer:innen; Schuhe oder Bälle auf dem Platz ohne Spieler:innen.

Nutze den Burst-Modus (schnelle Serienbildfunktion deiner Kamera) oder die Augen- und Gesichtserkennung, falls deine Kamera solche Funktion hat. Ein Telezoomobjektiv ist ebenfalls nützlich, damit du sicher außerhalb der Spielfeldumrandung bleiben kannst.

Carlos Alcaraz aus Spanien feiert im Viertelfinale der Miami Open im Hard Rock Stadium in Florida einen Matchball gegen den Serben Miomir Kecmanovic. Seine rechte Hand ist zur Faust geballt, nachdem er seinen Schläger hinter sich auf den Boden geworfen hat.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS R3 | EF 300mm f/2.8L IS II USM | 300mm | f/2.8 | 1/2500 | ISO 2500

Kameraeinstellungen

Deine Kameraeinstellungen müssen nicht kompliziert sein. Selbst auf höchstem professionellem Niveau sind die grundlegenden Techniken am wichtigsten: Halte den ISO-Wert passend zu den Lichtverhältnissen möglichst niedrig und fotografiere am Spielfeldrand offenblendig, um die Spieler:innen zu isolieren. Du solltest deine Einstellungen auch anpassen, wenn du aus höheren Positionen oder bei wechselnden Lichtverhältnissen fotografierst.

„Am Spielfeldrand starte ich mit einem niedrigen ISO-Wert und fotografiere offenblendig … Von oben fotografiere ich in Richtung des Lichts und blende ab, um sattere Farben zu erhalten.“

Das Grundprinzip ist einfach: Lass dich vom Licht leiten. Da es beim Tennis auf Geschwindigkeit ankommt, brauchst du eine Kamera mit einer ausreichend schnellen Verschlusszeit, während deine Blende weit genug geöffnet sein sollte, um viel Licht hereinzulassen. Den Rest erledigen dann deine ISO-Einstellungen.

Hier ein paar zuverlässige Richtwerte:

  • Verschlusszeit: 1/1000 s

  • Blende: f/2.8 bis f/4

  • ISO: Auto-ISO mit maximal 3.200 bis 6.400

Diese Kombination ist schnell genug, um Action einzufrieren, breitgefächert genug, um dein Motiv scharf festzuhalten, und flexibel genug, um wechselndes Licht zu bewältigen.

Roger Federer aus der Schweiz beim Spiel gegen den Belgier Xavier Malisse beim Toronto Masters Serie Rogers Cup in Toronto, Ontario, Kanada. Der Hintergrund ist unscharf, sein Gesicht ist nur eine scherenschnittartige Silhouette, und sein Shirt und Stirnband sind gerade noch zu erkennen.

Matthew Stockman (Getty Images)

Sei geduldig

Geduld ist eine der wertvollsten Tugenden in der Tennisfotografie – besonders am Anfang. Tennis ist ein Sport voller Rhythmus und Wiederholungen, und die besten Fotos entstehen oft, indem du einfach präsent bleibst, beobachtest, wie sich das Match entwickelt, und auf den richtigen Moment wartest.

„Sei geduldig und immer bereit zum Abdrücken.“

Geduld bedeutet beobachten, lernen und jederzeit startklar sein. Die Spieler:innen bewegen sich, das Licht wechselt und die Story des Spiels entwickelt sich. Deine Aufgabe ist es, den richtigen Moment zu erkennen und rechtzeitig abzudrücken.

Nimm Ersatzakkus und Speicherkarten mit viel Speicherplatz mit. Nichts raubt dir schneller die Geduld, als wenn dir mitten im Spiel der Strom oder der Speicher ausgeht. Zwei Akkus und zwei Karten sollten ausreichen.

Rafael Nadal (L) aus Spanien steht nach seinem Sieg über den Schweizer Roger Federer (R) im Herreneinzelfinale der French Open in Paris, Frankreich, vor den Kameras. Die beiden Spieler stehen Seite an Seite mit ihren jeweiligen Trophäen in den Händen. Die Menge im Hintergrund ist verschwommen.

Matthew Stockman (Getty Images)

Wie wirst du professionelle:r Tennisfotograf:in?

Sobald du gelernt hast, wie du die Action einfängst und Tennisfotos machst, die eine Geschichte erzählen, ist der nächste Schritt, dieses Fundament zum Beruf zu machen. Aber wie gelingt dir der Sprung in die professionelle Tennisfotografie?

Fang klein an

Wie auch in unserem umfassenden Leitfaden: Sportfotografie schon erwähnt, musst du es nicht erst in Wimbledon gewesen sein, um deine Profikarriere zu starten. Fang ruhig klein an und fotografiere zunächst bei lokalen Vereinen, Schul- oder Universitätsspielen oder kleineren regionalen Turnieren. Dort findest du in der Regel eine entspanntere Umgebung, in der du dich frei bewegen, mit Positionen experimentieren und dein Timing üben kannst.

„Fang klein an und fotografiere bei Events ohne Zugangsbeschränkung … So kannst du dir ein glaubwürdiges Portfolio für zukünftige Aufträge aufbauen.“

Achte bei deinen Aufnahmen unbedingt auf die Rechte von Personen am eigenen Bild. Ein kurzes, freundliches Gespräch mit den Betroffenen kann in der Regel viel bewirken, wenn du nah am Spielfeld arbeitest oder die Bilder für dein Portfolio verwenden möchtest.

Auch in sensiblen Momenten ist Achtsamkeit gefragt. Vermeide es, Spieler:innen zu fotografieren, die gerade medizinisch behandelt werden, mit Verletzungen zu kämpfen haben oder in sonstigen Notlagen sind, es sei denn, du hast eine klare Erlaubnis und einen respektvollen Grund dafür. So stärkst du das Vertrauen der Menschen, die du fotografierst, und deinen Ruf als gerngesehene:r Fotograf:in bei Spieler:innen und Organisator:innen.

Ein einfaches, erschwingliches 55–200-mm- (APS-C) oder 70–200-mm-f/2.8-Objektiv (Vollformat) bietet dir genug Reichweite, um Ballwechsel, Reaktionen und Porträts einzufangen, ohne direkt am Spielfeldrand zu sein. Leichte Ausrüstung eignet sich bestens für lange Sessions und stärkt dein Durchhaltevermögen.

Thiago Monteiro aus Brasilien feiert einen Matchball gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga bei den Rio Open im Jockey Club Brasileiro in Rio de Janeiro, Brasilien. Er liegt auf dem Sandplatz mit von ihm gestreckten Armen und Beinen auf dem Rücken, und sein Schläger liegt vor ihm.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX | EF 300mm f/2.8L IS II USM | 300mm | f/2.8 | 1/1600 | ISO 400

Bau dir ein Portfolio auf

Bei einem guten Portfolio kommt es nicht auf die Masse an Fotos, sondern auf eine sorgfältige Auswahl an Bildern an, die zeigen, dass du Ahnung vom Tennissport hast. Redakteur:innen und Veranstalter:innen suchen nach Zuverlässigkeit und dem nötigen Bewusstsein für den Sport und die Menschen dahinter, nicht nur nach großen Action-Momenten. Achte bei deiner Bildauswahl also am besten auf eine gesunde Mischung – von nahen Action-Aufnahmen bis hin zu emotionalen Momenten und Publikumsbildern. Auch Porträtaufnahmen sind gern gesehen, wenn du vorher das Einverständnis der Spieler:innen einholst. Je mehr du fotografierst, desto schärfer wird dein Blick, desto besser wird dein Timing und desto stärker wird dein Portfolio.

„Bau dein Portfolio Bild für Bild auf. Es entwickelt sich mit dir weiter.“

Für eindrucksvolle Porträtaufnahmen empfehle ich dir, dir ein erschwingliches Festbrennweitenobjektiv wie ein 35 mm f/1.8 oder ein 50 mm f/1.8 anzuschaffen. Diese Objektive sind preiswert, scharf und perfekt, um ruhigere, emotionale Momente einzufangen, die deinem Portfolio das gewisse Etwas verleihen.

Der Schweizer Roger Federer und der Serbe Novak Djokovic vom Team Europe beraten sich zwischen den Punkten beim Herrendoppel des Laver Cup 2018 in Chicago, Illinois, gegen Jack Sock aus den Vereinigten Staaten und Kevin Anderson aus Südafrika vom Team World.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX Mark II | EF 300mm f/2.8L IS II USM | 300mm | f/4.0 | 1/1000 | ISO 3200

Netzwerke und assistiere

Scheue dich nicht, Präsenz zu zeigen. Viele Turniere (sogar regionale und Junioren-Events) haben offizielle Fotograf:innen oder ein kleines Medienteam.

„Anderen einen Tag lang über die Schulter zu schauen, kann eine wertvolle Erfahrung sein.“

Selbst bei einmaligen Gelegenheiten lernst du Arbeitsabläufe, Druck und Deadlines kennen. Du wirst davon zwar in der Regel nicht reich, aber du kannst eine Menge lernen. Setz dich am besten auch über Social Media mit den Veranstalter:innen in Verbindung, da diese oft Freiwillige suchen. Alles, was du tun kannst, um Vertrauen aufzubauen und dir Anerkennung zu verschaffen, ist hilfreich für deinen Weg in die Sportfotografie. Das Fotografieren ist für Profis übrigens nur die halbe Miete. Die Hälfte der Zeit geht für die Bearbeitung, Verwaltung und schnelle Lieferung deiner Bilder drauf.

Bei großen Turnieren liefern Fotograf:innen ihre Bilder oft schon während des Spiels, manchmal innerhalb weniger Minuten nach einem wichtigen Punkt. Geschwindigkeit und Organisationstalent sind bei der Bildauswahl also unerlässlich. Profis verlassen sich auf Tools wie Photo Mechanic, die eine blitzschnelle Bildauswahl und Metadateneingabe ermöglichen, und nehmen dann einfache und stilgetreue Bearbeitungen in Programmen wie Lightroom vor, bevor sie die Bilder exportieren. Jedes Bild muss detailliert beschriftet werden, einschließlich Namen der Spieler:innen, Runde, Ort, Datum und sonstigen wichtigen Angaben, damit deine Bilder von Redakteur:innen gefunden und verwendet werden können. Wenn du dir dabei frühzeitig Routinen zurechtlegst, kannst du professioneller arbeiten und deine Bilder sind leichter auffindbar. Je besser du deinen Workflow optimierst, desto leichter fällt es dir, Fristen einzuhalten, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

Wenn du Profis assistierst oder sie begleitest, solltest du nach Möglichkeit zwei Kameras dabeihaben: ein Gehäuse mit Telezoomobjektiv für Action und eines mit einem weitwinkligeren Objektiv für Porträts. So kannst du mit unterschiedlichen Situationen besser Schritt halten und lernen, wie die Profis arbeiten.

Gebrauchte Canon EOS R1 mit freiliegendem Sensor auf weißem Hintergrund

Gebrauchte Canon EOS R1

Die beste Kameraausrüstung für die Tennisfotografie

Matthew hat meistens sein komplettes Profi-Setup dabei, ist auf dem Platz aber eher leicht unterwegs. Seine bevorzugte Kamera ist die Canon EOS R1 in Kombination mit schnellen, zuverlässigen Objektiven wie dem RF 100-300mm f/2.8 L IS und dem RF 400mm f/2.8 L IS auf einem Einbeinstativ. Dieses Setup ist ideal für lange Tage, schnelle Action und wechselndes Licht. Eine Kamera mit einem leisen Verschlussgeräusch sorgt außerdem dafür, dass du die Spieler:innen nicht ablenkst.

„Ich versuche, meine Ausrüstung auf das Wesentliche zu beschränken, aber immer Optionen dabeizuhaben.“

Für den Einstieg brauchst du nicht gleich die teuerste Ausrüstung. Ein spiegelloser Mittelklasse-Body wie die Canon EOS R6, die Canon EOS R7, die Sony A7 IV oder die Nikon Z6 II und ein 70–200-mm- oder 100–400-mm-Objektiv bieten ausreichend Reichweite und mehr als genug Geschwindigkeit, um mit dem Rhythmus des Spiels mithalten zu können.

Das beste Zubehör für die Tennisfotografie

Zubehör ist praktisch, wenn du bei langen, schnellen Matches agil und zuverlässig bleiben willst. Ein robustes und leichtes Einbeinstativ gibt dir die nötige Stabilität, um schnelle Ballwechsel mit längeren Objektiven zu verfolgen, und eine Gegenlichtblende hilft, grelles Sonnenlicht und unvorhersehbare Spiegelungen auf dem Platz im Zaum zu halten. Außerdem solltest du immer zusätzliche Akkus, große Speicherkarten und idealerweise eine kompakte Schultertasche dabeihaben, um dich leise und effizient zwischen den Positionen zu bewegen.

„Die kleinen Dinge in deiner Tasche machen oft den größten Unterschied.“

Stell dir am besten ein kleines Zubehörset zusammen, damit du auf dem Platz für alles gerüstet bist. Dazu gehören ein leichtes Einbeinstativ, ein Polarisationsfilter für den Schutz vor blendendem Licht, ein Wetterschutz für plötzlichen Regen oder Staub und ein Reinigungskit mit Mikrofasertüchern oder einem Blasebalg. Damit alles so reibungslos wie möglich läuft, empfehle ich auch ein faltbares Kniepolster, einen Schnellverschlussgurt, eine Schutzhülle für deine Ersatzspeicherkarte oder eine Powerbank. Letztendlich hängt der Umfang deines Zubehörs aber ganz von deinem Budget ab.

Der Serbe Novak Djokovic posiert nach seinem Sieg gegen den Schweizer Roger Federer im Herreneinzelfinale mit der Gentlemen's Singles Trophy.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS 1DX | EF 70-200mm f/2.8L IS II USM | 123mm | f/3.5 | 1/2000 | ISO 400

FAQs

Was ist Tennisfotografie?

Bei der Tennisfotografie geht es darum, schnelle Action und emotionale Momente während eines Tennisspiels einzufangen.

Brauche ich Profizugang, um einzusteigen?

Du brauchst keinen Profizugang, um in die Tennisfotografie einzusteigen. Kleinere Vereine und lokale Matches sind perfekt für den Anfang.

Welche grundlegenden Kameraeinstellungen sollte ich verwenden?

Als Ausgangspunkt sind die besten Kameraeinstellungen für die Tennisfotografie 1/1000 s, f/2.8 bis f/4 und Auto ISO, begrenzt auf 3.200 bis 6.400.

Welche Objektive eignen sich am besten?

Ein 70–200-mm, 70–300-mm oder 100–400-mm-Objektiv bietet dir die ideale Reichweite für die meisten Tennisplätze.

Wo auf dem Platz sollte ich mich hinstellen?

Such dir einen festen Platz aus – Grundlinie, Seitenlinie oder Tribüne – und bleib dort stehen, um den Rhythmus des Spiels kennenzulernen.

Wie gehe ich mit wechselndem Licht um?

Lass dich vom Licht leiten. Morgens ist es weich, mittags hart und am späten Nachmittag oft am besten.

Wie fange ich Action und Emotionen ein?

Nutze den Burst-Modus und die Motivverfolgung deiner Kamera und achte sowohl auf große Action als auch auf ruhigere Momente, die eine Geschichte erzählen.

Welche Fertigkeiten sind am wichtigsten?

Geduld, gutes Timing und ein Verständnis für die Gewohnheiten der Spieler:innen sind für die Tennisfotografie unerlässlich.

Wie baue ich mein Portfolio auf?

Triff eine sorgfältige Auswahl an stimmigen Action-, Emotions- und Atmosphärenaufnahmen, damit sich dein Portfolio von der Konkurrenz abhebt.

Wie sammle ich Erfahrung?

Um Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln, musst du aktiv werden. Fang klein an, unterstütze lokale Fotograf:innen und vernetze dich mit Turnierveranstalter:innen.

Brauche ich zwei Kameras?

Am Anfang reicht eine Kamera aus, aber mit zwei Gehäusen fällt dir der Wechsel zwischen Action- und Weitwinkelaufnahmen leichter.

Brauche ich eine Kamera mit geräuschlosem Verschluss?

Ein geräuschloser Verschluss ist wichtig, besonders bei Profi-Events, wo Verschlussgeräusche für Ablenkung sorgen können.

Welches Zubehör sollte ich mitnehmen?

Zusätzliche Akkus, große Speicherkarten, ein Einbeinstativ und eine Gegenlichtblende sind ein Muss in deiner Kameratasche.

Rafael Nadal aus Spanien beim Aufschlag gegen Nick Kyrgios aus Australien während des Viertelfinales der BNP Paribas Open im Indian Wells Tennis Garden in Indian Wells, Kalifornien. Der Fokus liegt auf dem in der Luft schwebenden Ball und Nadals fokussiertem Gesicht.

Matthew Stockman (Getty Images) | Canon EOS R3 | EF 500mm f/4L IS II USM+2x | 1000mm | f/8.0 | 1/6400 | ISO 800

Fazit

Für die Tennisfotografie braucht man vor allem Geduld, Timing und ein Gefühl für das Spiel. Wenn du die Grundlagen beherrschst, heißt es nur noch, die richtigen Momente abzuwarten, um abzudrücken.

Lust, deine sportfotografischen Fähigkeiten weiter auszubauen? Lerne in unserem Interview mit dem Sportfotografen Lukas Schulze direkt vom Profi und hol dir praktische Ratschläge zur Auswahl der besten Kameras und Objektive für die Sportfotografie.

Weitere Tipps und Techniken findest du auf dem MPB-Blog.

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